Neue Möglichkeit in der beruflichen Vorsorge für ältere Angestellte


Die Einführung des Artikels 47a im Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) schafft eine neue Möglichkeit für ältere Arbeitslose. Nach dem heutigen Stand werden 58-jährige und ältere Versicherte, die ihre Arbeit verlieren, automatisch von ihrer Pensionskasse ausgeschlossen und müssen ihr Altersguthaben auf ein Konto oder ein Freizügigkeitskonto überweisen. Dank der Reform können Personen im Alter von 58 Jahren oder mehr weiterhin bei der Pensionskasse ihres letzten Arbeitgebers versichert bleiben, mit den gleichen Rechten wie die anderen Versicherten.

Folgende Bedingungen müssen erfüllt sein, damit der/die Versicherte von dieser Massnahme profitieren können. Der/die Versicherte muss mindestens 58 Jahre alt oder älter sein (oder 55, falls das Reglement der Pensionskasse dies ausdrücklich vorsieht). Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses geht vom Arbeitgeber aus. Das Ende des Arbeitsverhältnisses muss daher aus einer Entlassung resultieren und nicht aus einer vom Arbeitnehmer frei gewählten Kündigung.

Die Möglichkeit, das Altersguthaben bei der Pensionskasse fortzuführen, bei der man angeschlossen war, ist freiwillig. 58-jährige und ältere Angestellte, die ihre Arbeit verlieren, können auch das vorherige System wählen und die Pensionskasse ihres früheren Arbeitgebers verlassen. Falls Versicherte bei ihrer Pensionskasse bleiben wollen, haben sie die Wahl zwischen:

  • Beibehaltung der Altersvorsorge ohne zusätzliche Beiträge
  • Leistung von weiteren Beiträgen, die nur zur Deckung der Risiken Tod und Invalidität sowie der Verwaltungskosten dienen
  • Leistung von Sparbeiträgen, zusätzlich zu den Beiträgen zur Deckung von Todesfall und Invalidität sowie Verwaltungskosten

Die Versicherung endet automatisch im Todesfall, bei Invalidität oder wenn der oder die Versicherte das normale gesetzliche Rentenalter erreicht. Eine Verlängerung über das ordentliche Rentenalter hinaus ist nicht möglich. Die Versicherung kann von den Versicherten jederzeit gekündigt werden. Sie kann auch von der Pensionskasse gekündigt werden, jedoch nur bei Nichtzahlung der Beiträge.

Die Pensionskasse ist nicht berechtigt, zwischen aktiven Versicherten und älteren, arbeitslosen Versicherten, die Mitglieder sind, zu unterscheiden (Verzinsung des Vorsorgeguthabens, Umwandlungssatz, Rente). Die Pensionskasse kann aber dennoch die Möglichkeit vorsehen, dass die Versicherten ihre berufliche Vorsorge oder ihren Vorsorgeplan allein für einen (fiktiven) Lohn, der niedriger ist als der letzte versicherte Lohn, weiterführen können.

Die Möglichkeit, die Mitgliedschaft bei der Pensionskasse beizubehalten, bestand bereits, wenn das Pensionskassenreglement dies vorsah, aber dies war eine Ausnahme. Der neue Artikel 47a BVG wird im Rahmen der Reform der Ergänzungsleistungen eingeführt, die am 1. Januar 2021 in Kraft treten wird. Mit der Verabschiedung des COVID-19 Gesetzes am 25. September 2020 hat das Parlament jedoch eine Übergangsbestimmung zu Artikel 47a BVG in das BVG aufgenommen. Versicherte ab 58 Jahren, die nach dem 31. Juli 2020 unfreiwillig ihren Arbeitsplatz verloren haben, haben ebenfalls die Möglichkeit, einen Antrag auf Weiterführung des Versicherungsschutzes zu stellen.

Dies ist eine hervorragende Neuigkeit für ältere Arbeitslose. Der Enthusiasmus darüber sollte dennoch gedämpft werden, da eine fortgesetzte Mitgliedschaft im Pensionsfonds kostspielig sein kann: Nehmen wir als Beispiel einen Arbeitnehmer, dessen Gehalt CHF 12’000 pro Monat beträgt (inklusive dreizehnten Monatslohn). Seine Arbeitslosenentschädigung beträgt 70% (wenn er keine oder nicht mehr unterhaltsberechtigte Kinder hat), von der weitere rund 7% für AHV/IV/EO-Beiträge abgezogen werden müssen, das heisst CHF 7’812 pro Monat.

In diesem Alter beträgt der Sparbeitragssatz oft 18% des versicherten Lohns, der auf den früheren Bruttolohn angewandt wird, solange das Pensionskassenreglement vorsieht, dass der gesamte Lohn versichert ist. Dies bedeutet einen Abzug von CHF 1’800, zuzüglich einer Risikofinanzierung von 3% oder CHF 300, also insgesamt CHF 2’100 pro Monat, um die Altersvorsorge auf dem gleichen Niveau wie vor dem Verlust des Arbeitsplatzes zu halten.

Ohne Weiterversicherung würden der Arbeitslose CHF 7’728 erhalten (nach Abzug des Pflichtbeitrags für Arbeitslose an die Zusatzversicherung nur zur Deckung der Risiken Tod und Invalidität auf der Grundlage der BVG-Mindestleistungen). Mit der neuen Möglichkeit, die Artikel 47a BVG bietet, würde das monatliche Nettoeinkommen dieser arbeitslosen Person CHF 5’712 betragen, das heisst weniger als die Hälfte seines Bruttoeinkommens zum Zeitpunkt seines letzten Erwerbstätigkeit.

Aufgrund der relativ hohen Kosten sollte die Möglichkeit, die Altersvorsorge aufrechtzuerhalten, in erster Linie den Beschäftigten zugutekommen, die über ein komfortables Einkommen verfügen oder während ihres Berufslebens Ersparnisse angesammelt haben. Es ist zu beachten, dass Arbeitslose, die ihre betriebliche Altersversorgung mehr als zwei Jahre lang aufrechterhalten haben, verpflichtet sind, ihre Altersleistungen in Form einer Rente zu erhalten, es sei denn, das Reglement ihrer Pensionskasse sieht die Auszahlung von Leistungen nur in Form von Kapital vor.