Der SBPV fordert den Finanzplatz auf, einen konkreten Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung zu leisten

14. September 2020

«Der SBPV fordert eine Lohnerhöhung von 1,8% im Finanzsektor für Einkommen bis CHF 148’000 sowie die Auszahlung einer einmaligen Prämie von 900 CHF als Zeichen der Anerkennung für den grossen Einsatz der Mitarbeitenden in der Corona-Krise.»

Die Bankangestellten waren während des Corona-Krise stark beschäftigt: Die Geschäftszahlen der meisten Banken zur Jahresmitte sind erfreulich, insbesondere im Vergleich zu anderen Wirtschaftssektoren. Aus diesem Grund fordert der SBPV die Finanzinstitute auf, ihren Mitarbeitenden als Anerkennung des grossen Einsatzes eine substanzielle Gehaltserhöhung und eine Corona-Prämie zu gewähren. Mit dieser Massnahme kann darüber hinaus die Kaufkraft gestützt und Solidarität mit den Wirtschaftssektoren gezeigt werden, die von den Pandemie-Schutzmassnahmen stark betroffen sind.

Eine Forderung mit Blick auf die Finanzergebnisse der Banken

Der Finanzsektor ist der Sektor mit den erfreulichsten finanziellen Ergebnissen zur Jahresmitte. Die Banken setzten ihre Arbeit für Einzelkunden und für Unternehmen (Gewährung von Krediten, die durch eine Solidarbürgschaft des Bundes garantiert sind) während der gesamten Sperrzeit fort. Diese guten finanziellen Ergebnisse der Banken sollen allen zugutekommen, die dazu beigetragen haben.

Eine Corona-Prämie von CHF 900.- für alle Bankangestellten
Die Finanzinstitute haben ihre Personalkosten durch den Abbau von Arbeitsplätzen in der Schweiz in den letzten Jahren deutlich gesenkt (von 107’995 im Jahr 2010 sank die Zahl der Vollzeitstellen auf 89’531 im Jahr 2019, Quelle: SNB). Das liegt zum einen an der Digitalisierung, aber auch an den immer höheren Anforderungen an die Produktivität der Mitarbeitenden. Dies hat ein Klima der Unsicherheit geschaffen und erheblichen Druck auf das verbleibende Personal ausgeübt, das Aufgaben übernehmen musste, die nicht immer proportional abnahmen. Mit der Covid-19-Krise wurde die Situation noch schlimmer: Es galt, neue gesundheitliche Anforderungen zu bewältigen, krankheits- oder quarantänebedingte Abwesenheiten von KollegInnen zu ersetzen und mit verunsicherten Kunden umzugehen. Infolgedessen mussten viele Bankangestellte samstags und sonntags arbeiten und Überstunden ansammeln, um den Kreditanträgen der Unternehmen nachzukommen. Trotz der Ängste um ihre Zukunft und der Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Gesundheitskrise arbeiteten die Angestellten aktiv mit, um einen qualitativ hochwertigen Service aufrechtzuerhalten, oft von zu Hause aus und ohne immer über angemessene technische und logistische Unterstützung zu verfügen. Anstrengungen wurden auf allen Ebenen unternommen, mit verhältnismässig grösseren Schwierigkeiten für diejenigen, die diese Situation gleichzeitig mit der Betreuung ihrer Familien bewältigen mussten.

Eine Lohnerhöhung aus Solidarität mit anderen Wirtschaftssektoren Die Prognoseinstitute haben sich daran gemacht, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Epidemie zu quantifizieren, und das Ergebnis ist klar: Sie werden erheblich sein, in einigen Szenarien sogar drastisch. Mit erfreulichen Zahlen zur Jahresmitte steht der Finanzsektor jedoch besser da als alle anderen Sektoren. Eine der wichtigsten Aufgaben der Wirtschaftspolitik besteht darin, die Kaufkraft der Haushalte zu erhalten. Die Auswirkungen der Krise waren besonders drastisch für den Detailhandel, das Gastgewerbe sowie den Kultur- und Freizeitsektor, die von den gesundheitspolitischen Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie stark betroffen sind. Die gesunde Finanzlage des Finanzsektors – auch als Folge der vom Bund ergriffenen Massnahmen – verpflichtet diesen, Solidarität zu zeigen, indem er zur Erhaltung der Kaufkraft seiner Beschäftigten beiträgt und somit zur Stärkung  des Vertrauens in die Zukunft beiträgt, das in den letzten Monaten durch die Kombination der Gesundheitskrise und der Herausforderungen für den Finanzsektor stark erschüttert wurde.