Ältere Arbeitnehmende in der Finanzbranche

Steckbrief:
Andreas Meyer, Projektleiter und PMO im IT–Umfeld.
Bei Credit Suisse bis November 2018, während über elf Jahren als Projektleiter in kleinen und in grossen Projekten und Programmen engagiert.

Was hat Sie dazu bewogen in der Finanzbranche zu arbeiten?

Ich bin 2007 durch Zufall in die IT der Finanzbranche gestossen. Ein humorvoller Pendler–Streit um einen Sitzplatz in der S-Bahn hatte schliesslich dazu geführt, dass mein CV etwas später von eben diesem CS–Mitarbeiter bei HR empfohlen wurde. Ich hatte bereits einige Erfahrung bei sehr grossen IT–Firmen aufgebaut und wurde bei den nachfolgenden Fachdiskussionen auf das Applikationsspektrum bei der CS aufmerksam. Ein Arbeitsvertrag kam daraufhin relativ schnell zu Stande. Diese Applikationsvielfalt und die darin involvierten Leute hatten mich während der ganzen Zeit bei der CS begleitet.

Was waren die grössten Veränderungen in Ihrem Arbeitsumfeld seit Sie in der Finanzbranche arbeiten?

Ohne in die Details zu gehen, waren die wirtschaftlichen Folgen der Finanzkrise 2008 – ausgelöst infolge eines spekulativ aufgeblähten Immobilienmarkts (Immobilienblase) in den USA (dieser folgte ab 2009 auch die Eurokrise) – durch eine rapide Veränderung in allen Branchen gekennzeichnet. Regelmässige Reorganisationen waren auch bei der CS eine Folge davon.

Was wird an Ihrer langjährigen Arbeitserfahrung geschätzt und inwiefern können Sie diese aktiv einbringen?

Durch die Erfahrungen in verschiedenen Projekten bin ich mit den unterschiedlichsten Aufgabenstellungen und den darin involvierten Stellen, respektive Personen, konfrontiert gewesen. Diese Erfahrung konnte ich in der Folge immer weiterverwenden und bei neuen Aufgaben und in der Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden einbringen.

Was hat Sie dazu bewogen, so lange bei der CS zu arbeiten?

Meine langjährige Mitarbeit erfolgte aufgrund laufend neuer IT–Anforderungen aus der Organisation und der strategischen Ausrichtung der Firma. Die IT–Applikationen mussten immer wieder mit neuen Anforderungen ausgebaut werden. Dazu werden aktive und motivierte Mitarbeiter benötigt. Meine langjährige Mitarbeit wurde Ende 2018 aufgrund einer Reorganisation auf Wunsch der Bank beendet. Für die wenigen Jahre vor der Pensionierung bleiben mir nicht viele berufliche Optionen offen. Mögliche Stolpersteine in dieser neuen Situation sind nicht ohne weiteres zu erkennen und sind mit möglichen weiteren Konsequenzen behaftet. Speziell Verträge für einen Zwischenverdienst können für spätere Probleme sorgen.

Mit ihrer Unterstützung und Hilfe zu diversen Fragen haben mir die Mitarbeitenden des Schweizerischen Bankpersonalverbands sehr gut geholfen. Die Hilfe bezüglich arbeitsrechtlicher Fragen war effizient und hat mir schliesslich weitergeholfen bei der Orientierung für diese «Zwischenphase». Eine Mitgliedschaft in einer Arbeitnehmervertretung ist für mich fast selbstverständlich. Auch in der Finanzbranche dürfte dies in der Zukunft noch wichtiger werden. Der SBPV half mir persönlich und bei juristischen Fragen zum Arbeitsrecht. Er gibt dem Mitglied/Arbeitnehmenden eine Stimme und Gewichtung bei der Interessensvertretung.

Trifft die Bezeichnung «Bogenkarriere» auf Ihre berufliche Laufbahn zu?

Eine Bogenkarriere wurde so von mir nicht geplant. Die typischen Merkmale habe ich aber als «angepasste Arbeitssituation» bei der CS erleben können.

Welche Veränderungen braucht es, damit sich ältere Mitarbeitende am Arbeitsplatz durchs Band wohl fühlen? Helfen die neu beschlossenen Massnahmen in der VAB dabei?

Die Bedingungen für ältere Mitarbeitende im Arbeitsprozess sind ein Thema, welches in der ganzen Gesellschaft aktuell ist. Schliesslich ist die jüngere Generation von Arbeitsnehmenden in nicht allzu ferner Zukunft auch in dieser Situation. Ich denke, dass dies mit einem längerfristigen Horizont angegangen werden muss und nicht kurzfristig abgehakt werden kann. Wer sonst, wenn nicht der SBPV, würde sich übergeordnet um die Anstellungsbedingungen der Bankangestellten kümmern?

Denken Sie, dass Massnahmen zugunsten älterer Mitarbeitenden nötig sind?

Es zeigt sich, dass generell Massnahmen für die älteren (das sind die heute noch jüngeren) Mitarbeitenden erarbeitet werden müssen, die Medien sind voll mit diesem Thema.

Haben Sie die Selbstevaluation im Rahmen der Kampagne skillaware bereits absolviert und empfehlen Sie diese weiter?

skillaware habe ich nicht in Anspruch genommen. Sicher ist diese Kampagne für den ersten Schritt hilfreich. Meine eigene Standortbestimmung habe ich anderweitig intensiv getätigt.

Denken Sie, dass der Fokus auf die Grundkompetenzen der richtige Weg ist, um die Arbeitsmarktfähigkeit zu stärken?

Der Fokus auf Grundkompetenzen ist sicherlich nicht falsch. Ich habe in meiner Berufslaufbahn regelmässig daran gearbeitet und meinen Lebenslauf auf ein breites Wissen ausgebaut. Dies hat mir im Laufe der Jahre immer wieder neue Möglichkeiten eröffnet. Ich empfehle zögerlichen Mitarbeitern, diese Dienstleistung in Anspruch zu nehmen und den ersten Schritt zur Erhaltung der eigenen Arbeitsmarktfähigkeit zu wagen. Es lohnt sich, laufend am eigenen Berufsbild zu arbeiten und Zeit zu investieren.