Anständige Löhne für alle: Ja zum Mindestlohn

4. April 2014

In einer idealen Welt würden Sozialpartner Gesamtarbeitsverträge (GAV) mit Löhnen verhandeln, die allen Angestellten ein anständiges Leben ermöglichen würden.
Wir leben aber nicht in einer idealen Welt. Nur 39% aller Arbeitnehmenden kommen in den Genuss eines GAV mit verbindlichen Regeln für Löhne. Sehr oft verweigern die Arbeitgeber Verhandlungen, obwohl sie bei erster Gelegenheit ein Loblied auf die Sozialpartnerschaft singen. Leider sieht es auch in der Finanzbranche nicht besser aus: Mehr als die Hälfte aller Arbeitgeber, darunter Kantonalbanken, weigern sich, unseren GAV zu unterzeichnen.
Ohne GAV sind die Angestellten den Gesetzen des freien Marktes ausgeliefert, die – wie wir wissen – selten zugunsten der Arbeitnehmenden ausfallen. Das Resultat beunruhigt: Unser Land zählt mehr als 300 000 working poors, die, obwohl Vollzeit arbeitend, unter der Armutsgrenze leben. Eine Grosszahl unter ihnen hat eine Berufsbildung absolviert. Ausserdem, in den Branchen ohne GAV ist die Lohnunterbietung quasi legal.
Ein gesetzlich festgelegter Mindestlohn wäre die beste Lösung dieser Probleme. Er würde jeder und jedem ermöglichen, anständig von seiner Arbeit zu leben, würde den Reiz einer Berufsbildung verstärken und die Lohnunterbietung einschränken. Entgegen den Behauptungen der Gegner wurde nie bewiesen, dass der Mindestlohn für die Beschäftigung schädlich sei. Er schadet auch der Sozialpartnerschaft nicht, denn er greift nur in denjenigen Branchen ein, in denen keine Verhandlungen stattfinden.
 
Jean Christophe Schwaab
Präsident Region Westschweiz,
Nationalrat