Porträts von zwei besonders engagierten Bankangestellten in Zeiten der Corona-Krise

Was beinhaltet deine Arbeit in der Bank?

Myriam Bellmont: Ich bin Gewerbekundenberaterin bei der Schwyzer Kantonalbank in Einsiedeln. Wir betreuen zu dritt kleinere und mittlere Unternehmungen und deren Inhaber in der Region Einsiedeln, Ybrig und Rothenthurm.

Lukas Heinzer: Die Beratung und Betreuung von Geschäftskunden in allen finanziellen Belangen, hauptsächlich mit Finanzierungen. Eine sehr vielseitige Tätigkeit mit viel Kundenkontakt und Kundenverantwortung.

Ist diese Arbeit wichtig für die Gesellschaft? Gibt es andere Abteilungen, die jetzt noch stärker unter Druck sind?

MB: Ein Teil unserer Kunden ist sehr akut vom Coronavirus betroffen. Die einen Kunden mussten Ihr Geschäft auf Anweisung vom Bund schliessen, die anderen sind Zulieferer und bei anderen werden Aufträge verschoben oder storniert. Deshalb ist die Betreuung der regionalen gewerblichen Kunden aktuell sehr wichtig. Ebenso auch die Beratung im Zusammenhang mit den COVID19-Krediten. Es ist wichtig aktuell für den Kunden da sein zu können, nur schon, um ein offenes Ohr für die Sorgen zu haben.

LH: Geschäftskunden, insbesondere KMU, sind für unsere Bank ein elementarer Bestandteil der Kundschaft. Dementsprechend legen wir viel Wert darauf, dass sich diese Kunden auch in schwierigen Phasen bei uns gut aufgehoben fühlen. Aktuell sind wir stark gefordert und werden in Zeiten der Unsicherheit durch unsere Kunden häufig kontaktiert.
Zudem ist unsere Führung momentan stark unter Druck, welche die Lage zur aktuellen Situation laufend überwachen und Massnahmen umsetzen muss.

Lukas Heinzer
seit 2004 bei der Schwyzer Kantonalbank, verheiratet, 1 Tochter (2-jährig); 32 Jahre

Myriam Bellmont
seit 10 Jahren Gewerbekundenberaterin bei der SZKB in Einsiedeln, vorher 2 Jahre Gewerbekundenberaterin ZHKB Zürich-City, davor fast 10 Jahre Kreditberaterin und eine kurze Zeit am Schalter bei der SZKB in Lachen, langjähriger Partner, keine Kinder

Wie hat die Corona-Krise deine Arbeit verändert?

LH: Seit rund 3 Wochen ist es das absolut bestimmende Thema in jedem Gespräch mit Kunden und auch am Arbeitsplatz. Andere Themen wie Investitionen und Liegenschaftstransaktionen sind vollständig in den Hintergrund geraten und haben keine Priorität. Unsere Kunden sind mit der Planung ihrer Liquidität beschäftigt, da wollen wir zuhören und unseren Teil zur Lösung beitragen. Es werden zwar keine physischen Kundentermine mehr vereinbart, dafür laufen die Telefonleitungen heiss.

MB: Wir sind ein Team von drei Beratern. Seit dem Ausbruch ist immer mindestens jemand von uns im Homeoffice. Zusätzlich ist der eine Mitarbeiter teilweise noch abwesend, da er Zivildienst leisten muss. Ich vermisse den sonst rege Austausch mit meinen Arbeitskollegen und den verschiedenen Abteilungen auf der Filiale sehr, da z.B. gemeinsame Kaffeepausen oder mal ein gemütliches gemeinsames Mittagessen im Restaurant nicht mehr erlaubt bzw. möglich sind. Für mich sehr einschneidend ist die Arbeit von zu Hause aus. Ich habe bis jetzt immer versucht privat und Geschäft strikte zu trennen.

Wieviel arbeitest du momentan pro Tag /Woche? 

LH: 1-2 Stunden pro Tag kommen sicher mehr dazu. Das heisst pro Woche rd. 50 Std.

MB: Da ausser den Überbrückungskrediten momentan bei mir sehr wenige Aktivitäten laufen, komme ich mit den üblichen Arbeitszeiten von ca. 8.5 h pro Tag sehr gut durch. Ich denke es sind viele Immobilienprojekte, Umstrukturierungen von Firmen und

Neugründungen infolge der Coronakrise gestoppt worden. Ausnahme war der Sondereinsatz am Samstag 28.3.20, bei welchem ich sehr gerne mithalf, dass die SZKB die COVID-19-Kreditanträge zeitnah verarbeiten konnte, damit „meine“ Kunden diese Liquidität schnell zur Verfügung haben in dieser sonst schon schwierigen Zeit.

Wie organisierst du dich?

MB: Da mein Partner als einer der wenigen noch bei sich im Betrieb arbeiten kann, kann ich problemlos Homeoffice zu Hause machen und muss mich auch nicht gross umorganisieren. Ebenso haben wir keine Kinder und unsere Eltern organisieren sich (noch) grösstenteils selbst.

LH: Ich arbeite weiterhin (relativ einsam) im Büro. Durch den kurzen Arbeitsweg und guter Team-Absprache ist dies weiterhin gut möglich. Die Voraussetzung zu Hause bei der Familie ist nicht optimal, könnte aber arrangiert werden.

Welche Unterstützung bekommst du von deinem Arbeitgeber und von deiner Familie?

MB: Wenn ich ehrlich bin, ist die Unterstützung vom Arbeitgeber in der aktuellen Situation bis auf die Möglichkeit für das Homeoffice nicht sehr riesig. Es braucht aber meiner Meinung nach auch keine grossen Unterstützungsmassnahmen, da meine Arbeit fast unverändert auch dezentral ausgeübt werden kann, da auch mit den Kunden sehr viel telefonisch und via Mail abgewickelt werden kann. Durch die Einführung der Zentralisierung unserer Assistenten per 1.4.20 wird auch das Problem mit dem Ausdrucken von Verträgen und Unterlagen gelöst, da das meiste nun zentral verschickt wird.

LH: Der Arbeitsgeber unterstützt uns bei der Arbeit im Homeoffice vorbildlich und gewährt bis zu 3 bezahlte Ferientage zur Organisation der Kinderbetreuung. Familiär sind wir glücklicherweise nicht auf fremde Hilfe angewiesen und können diese Situation momentan gut bewältigen.

Was ist für dich persönlich am schwierigsten in dieser Krise?

LH: Der soziale Kontakt fehlt meiner Familie und mir am meisten. Speziell der persönliche Kontakt zu den Eltern. Zudem erwarten wir in Kürze unser zweites Kind und hoffen deshalb umso mehr, dass wir alle gesund bleiben.

MB: Mir fehlen all meine sozialen Kontakte. Ich vermisse die regelmässigen Treffen mit der Familie, meinen Freunden und Arbeitskollegen. Ebenso vermisse ich die persönlichen Treffen mit den Kunden, verschiedenen Möglichkeiten in der Freizeit wie Besuch des Fitnesscenters, ein gemütliches Abendessen in einem Restaurant, Ausflug zum Beispiel in den Zoo… Aber auf all das verzichte ich gerne, wenn alle meine Lieben und ich gesund bleiben.

Hast du eine Botschaft an unsere Politiker und Wirtschaftsverantwortlichen?

LH: Wie der Bundesrat und alle beteiligten Parteien in sehr kurzer Zeit sehr gute Lösungen für die Wirtschaft geschaffen und die Infrastruktur zur Verfügung gestellt hat, verdient ein grosses Kompliment. Darauf können wir stolz sein.

MB: Die Gesundheit der Bevölkerung und die Stabilität des Gesundheitswesens ist sehr, sehr wichtig, aber all dies wird unter anderem auch mit einer gut laufenden Wirtschaft finanziert. Ich finde es wichtig, dass die Wirtschaft mit den notwendigen Massnahmen schnell wieder zum Laufen kommt und auch die vielen kleinen Geschäfte wieder öffnen können, da daran viele persönliche Existenzen und Schicksale hängen und genau diese Geschäfte viel Leben und Abwechslung in die Dörfer bringen.