Ein Zusammenspiel von Mensch und Technik

17. Januar 2017

Was ist FinTech? Wo kommen wir damit in Berührung und wie wirkt es sich auf unseren Alltag aus? Wie innovativ ist die FinTech-Szene und wie steht es um die Zukunft unserer Bankenindustrie? Die IFZ FinTech Study 2016 beleuchtet die Entwicklung der Schweizer Finanz-Technologie-Branche und erklärt, was FinTech bedeutet. Dr. Thomas Ankenbrand, Dozent am Institut für Finanzdienstleistungen (IFZ) an der Hochschule Luzern, ist einer der vier Herausgeber der Studie und steht im Interview Rede und Antwort.

 

 

Was ist FinTech? Wo kommen wir damit in Berührung und wie wirkt es sich auf unseren Alltag aus? Wie innovativ ist die FinTech-Szene und wie steht es um die Zukunft unserer Bankenindustrie? Die IFZ FinTech Study 2016 beleuchtet die Entwicklung der Schweizer Finanz-Technologie-Branche und erklärt, was FinTech bedeutet. Dr. Thomas Ankenbrand, Dozent am Institut für Finanzdienstleistungen (IFZ) an der Hochschule Luzern, ist einer der vier Herausgeber der Studie und steht im Interview Rede und Antwort.
Herr Dr. Ankenbrand, was ist FinTech?
FinTech beschäftigt sich mit Finanzen und Technologie. In der IFZ FinTech Study 2016 definieren wir den Begriff wie folgt: FinTech sind Software-Lösungen für innovative Produkte, Dienstleistungen und Prozesse in der Finanzindustrie, welche bestehende Angebote verbessern, ergänzen oder gar verdrängen. FinTech-Unternehmungen sind Firmen, die ihre Hauptaktivität, ihre Kernkompetenz und ihren strategischen Fokus in die Entwicklung solcher innovativer Lösungen legen.
Was ist der Zweck der Studie?
Ziel der Studie war, einen Überblick über den Schweizer FinTech-Sektor zu erlangen. Die Banken sind einer der wichtigsten Schweizer Industriezweige und Arbeitgeber. Ihre Digitalisierung spielt eine entscheidende Rolle.
Was sind die zentralen Erkenntnisse?
Wir haben vier Konklusionen aus der Studie gezogen: Das Schweizer FinTech Ecosystem ist grösser und besser als wahrgenommen. Die Zentren sind Zürich, Zug, Genf und die Waadt.
Der Schweizer Markt ist zu klein für die meisten Businessmodelle von FinTech-Firmen. Eine erfolgreiche Unternehmung muss schnell international expandieren. Denn oftmals dominieren zwei, drei Leader weltweit pro Technologie. Es gibt nicht viele erfolgreiche Facebook’s, Uber’s oder Airbnb’s. Darum gilt: The Winner takes it all.
In der Schweiz wäre grundsätzlich genügend Venture-Capital verfügbar, auch wenn es je nach Wachstumsphase differenziert betrachtet werden muss. Es ist eher schwierig, Wachstumsfinanzierungen zu erhalten. Das könnte daran liegen, dass Schweizer Firmen oft zu wenig aggressiv wachsen wollen und sich eher auf Profitabilität und Cashflow fokussieren. Im Silicon Valley hingegen zählt oftmals nur das Wachstum, die hohe Bewertung und der möglichst schnelle Exit mit maximalem Verkaufserlös.
Wir haben in der Schweiz eine Regulierung, die Innovationen zwar erlaubt, aber im internationalen Wettbewerb mit attraktiven Standorten wie London oder Singapur steht. Die Finma ist jedoch engagiert, die nötigen Räume und Grundlagen für FinTech zu schaffen.

Wie kommen wir im Alltag mit FinTech in Berührung?
Der Bankkunde bekommt innovative Angebote wie beispielsweise ein Personal Finance Management System, welches unter anderem die getätigten Transaktionen kategorisiert, die finanzielle Situation visualisiert und das persönliche Budget überwacht. Ein weiteres Beispiel stellt die automatische Vermögensverwaltung dar. Diese wird von einem Roboadviser ausgeführt, einem «Roboter-Berater», der die Dienstleistungen des Bankberaters digitalisiert und automatisiert. Sie bietet einen besseren Überblick und ist zudem preisattraktiv. Aber auch das Mobile Payment (bezahlen per Smartphone) oder die virtuelle Währung Bitcoin, beides heute bereits vielerorts in Gebrauch, ist FinTech.
Wie gehen die Banken mit FinTech um?
Die wohl richtige Einstellung der Banken ist: «Mit FinTech können wir innovative, neuartige Produkte anbieten, ohne verlieren wir Kunden. Gleichzeitig spart Digitalisierung Kosten.» Trotzdem wird es immer Banken brauchen. Denn die Kernaufgabe der Banken ist, heute wie zukünftig, die Risikotransformation, wie bei der Vergabe einer Hypothek. FinTech-Firmen – so hat die Studie gezeigt – sind keine Risikoträger. Das Geld wird überwiegend im Kommissionsgeschäft verdient. Zins- und Handelsgeschäfte werden von FinTech wenig tangiert.
Was sind die Folgen für die Bankangestellten?
Die Entwicklung wird personelle Auswirkungen haben, wie in jeder Industrie. Viele Dienstleistungen werden digitalisiert und automatisiert. Es sind nicht mehr nur repetitive Aufgaben, sondern auch immer mehr faktisch intelligente Anforderungen, die sich automatisieren lassen, wie der beschriebene Roboadviser zeigt. Kunden wollen aber nicht nur von Roboadvisern allein beraten werden. Vielmehr setzt sich ein Zusammenspiel von Mensch und Technik durch.
Was raten Sie dem Arbeitnehmer?
Es können auch Arbeitsplätze geschaffen werden durch FinTech. Entscheidend ist, wie die Arbeitnehmer mit der Veränderung umgehen. Am besten proaktiv. Sich in technologischen Bereichen ausbilden. Die Nachfrage ist bereits gross.
Wie ist FinTech in der Schweiz unternehmerisch verankert?
Im März 2016 zählten wir in der Schweiz 162 Fin- Tech-Unternehmen, aufzuteilen in sechs Bereiche: Analytics, Deposit & Lending, Payment, Banking Infrastructure, Investment Management und Blockchain. Die Schweizer FinTech-Firmen werden immer zahlreicher und globaler. Unsere Universitäten zählen zu den weltweit besten und wir haben einen bedeutenden Finanzplatz. Konsolidiert eine grosse Chance für unsere Wirtschaft und für das FinTech-Wachstum. Die Schweiz positioniert sich im internationalen Wettbewerb wesentlich besser, als wir uns oftmals selber darstellen. Wir haben hier viele innovative und erfolgreiche Unternehmen.
Wie beurteilen Sie den Schweizer FinTech-Markt zukünftig?
Sehr positiv. Die Bankenindustrie wird stark digitalisiert. Davon profitieren FinTech-Firmen wie auch Banken, die als FinTech-Entwickler selber Innovationstreiber sind. Zu wünschen wären mehr Schweizer Studienabgänger, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen und ein FinTech-Startup gründen.
Welche FinTech-Innovationen werden uns zukünftig überraschen?
Aus meiner Sicht liegt grosses Potential in der Fusion von realer und virtueller Welt. Bestes Beispiel: Das Mobile-Spiel «Pokémon Go». Weiter werden Finanzdienstleistungen immer mehr in unser tägliches Leben integriert. Unser Auto wird dank künstlicher Intelligenz und Internet of Things bald selbständig zur Tankstellen fahren und mit der eigenen Kreditkarte tanken.
Dr. Thomas Ankenbrand
Dr. Thomas Ankenbrand ist Dozent am Institut für Finanzdienstleistungen der Hochschule Luzern (IFZ). Er betreut Forschungs- wie Dienstleistungsprojekte und entwickelt gemeinsam mit Banken Prototypen. Nach dem Ökonomiestudium an der Universität Sankt Gallen und dem Doktorat an der Universität Lausanne, hat Dr. Ankenbrand seine berufliche Karriere stets in der Schnittstelle zwischen Ökonomie und IT verbracht.
IFZ FinTech Study
Gemeinsam mit Prof. Dr. Andreas Dietrich, Christoph Duss und Reto Wernli hat Dr. Thomas Ankenbrand die IFZ Fin-Tech Study 2016 veröffentlicht. Die gesamte knapp 100-seitige Studie (auf Englisch) kostet CHF 290.– und kann unter ifz@hslu.ch bestellt werden.