SBPV Jubiläum: Eine Hommage an die Sozialpartnerschaft

Gut 100 Delegierte und geladene Gäste haben am Freitag, 15. Juni 2018, im Zürcher Kaufleutensaal den 100. Geburtstag des Schweizerischen Bankpersonalverbandes SBPV gefeiert. Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus der Finanz und Wirtschaft haben sich zur Zukunft des Finanzplatzes Schweiz und der kommenden Herausforderungen geäussert.

Text: Denise Chervet, Geschäftsführerin SBPV

Fotos: 2018© Béatrice Devènes

Peter Wyder, Präsident des SBPV hat die Feierlichkeiten damit eröffnet, dass er die bei der Gründung herrschenden Rahmenbedingungen in Erinnerung rief: Eine schwierige wirtschaftliche Situation, miserable Löhne und das Fehlen jeglichen Dialogs mit den Arbeitgebern. Dies mündete schliesslich im Streik der Zürcher Bankangestellten und einer Sozialvereinbarung, die eine Vorläuferin der aktuell in Kraft stehenden Vereinbarung über die Anstellungsbedingungen der Bankangestellten VAB.

Interessiertes Publikum im Kaufleutensaal, Zürich

Laut Peter Wyder war dieses Ereignis erst möglich, nachdem die Bankangestellten erkannten, dass sie ihr Schicksal selber in die Hand nehmen und sich zusammentun mussten, um ihre Interessen zu wahren. Peter Wyder unterstrich denn auch die Eigenheiten unseres Verbandes: Politisch unabhängig ist er ein zuverlässiger und überzeugender Sozialpartner. Und er kennt die Branche und die Menschen, die darin arbeiten, sehr gut. Der Präsident hat aber auch vorgeschlagen, die Werte der Sozialpartnerschaft immer wieder zu überprüfen: Den sozialen Frieden, die erarbeiteten pragmatischen Lösungen und das gemeinsame Engagement für einen florierenden Finanzplatz. Die immer komplexer werdenden sozialen Herausforderungen und auch diejenigen des Finanzplatzes, zeigen, wie wichtig die Ausbildung und die guten Arbeitsbedingungen als Fundament eines sicheren Finanzplatzes sind, meinte Wyder weiter.

Peter-René Wyder, Präsident SBPV

Lukas Gähwiler, Präsident Arbeitgeber Banken

Lukas Gähwiler, Präsident von Arbeitgeber Banken hat als erstes die Arbeit des SBPV für seine Mitglieder gewürdigt. Danach beleuchtete er die immer komplexer werdende Gesellschaft und die Herausforderungen, welchen die Wirtschaft gegenübersteht. Demografische und technologische Herausforderungen können heutzutage nicht mehr am runden Tisch angegangen werden, betonte Gähwiler. Stattdessen sei eine neue Art von Sozialpartnerschaft gefragt, eine, die die Konsequenzen aus den veränderten Strukturen der Angestellten Rechnung trage. Die Arbeitsfähigkeit, das sei die wahre Herausforderung der Sozialpartnerschaft. Gähwiler begrüsste denn auch, dass sich die Sozialpartner darauf geeinigt haben, diese Anforderungen gemeinsam anzugehen.

Ursula Baumgartner, Mitglied der Geschäftsleitung der Alternativen Bank Schweiz ABS, hat als erstes die Wichtigkeit ihrer Familienmodelle für ihre Karriere beleuchtet. In diesen Familien waren die Frauen stark, sie waren selbstbewusst und wurden von den Männern als gleichwertige Partner anerkannt. Danach zeigte Baumgartner das Modell der ABS auf, einer Bank, die weder bei Arbeitgeber Banken Mitglied und sich damit auch ausserhalb der Sozialpartnerschaft bewegt. Die ABS will anders sein. Ethik im Geschäft und Ethik in den Arbeitsbeziehungen sind bei ABS zentral. Eine Ethikkommission überprüft ständig, ob die Ethikcharta auch in allen Arbeitsbereichen eingehalten wird. Diese Kommission beschäftigt sich auch mit den Konsequenzen der Digitalisierung in Kundenbeziehungen, und auch damit, wie in der Bank miteinander gearbeitet wird.

Ursula Baumgartner, Mitglied Geschäftsleitung Alternative Bank Schweiz ABS

Thomas Bauer, Verwaltungsratspräsident Finma

Thomas Bauer, Verwaltungsratspräsident der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma hat die Notwendigkeit unterstrichten, die technologischen Innovationen nicht zu bremsen. Man dürfe sich aber nicht von Gewinnaussichten blenden lassen und dabei die jeder Innovation innewohnenden Risiken verschliessen. Als Beispiele nannte Bauer die Cyberkriminalität, das Outsourcing, das die Abhängigkeit von Monopolbetrieben fördere und den Umgang mit sensiblen Daten. Bauer rief alle Parteien dazu auf, ein wachsames Auge auf den Wertekompass zu werfen, welche den Erfolg des Schweizer Finanzplatzes ermöglicht haben. Zum Schluss hat Thomas Bauer die Wichtigkeit des Reglementierungsrahmens und dessen Anwendung in den Banken für die Reputation des Finanzplatzes betont.

Claude-Alain Margelisch, CEO, Schweizerische Bankiervereinigung, hat mehrere Thesen zu den Konsequenzen der Digitalisierung auf den Finanzplatz entwickelt. Die Digitalisierung sei eine Chance, sagte er, wenn die Banken sich konsequent darauf vorbereiten würden. Als Bedingungen für Innovationen nannte Margelisch die Wichtigkeit von Rahmenbedingungen und die Reglementierung, die, wenn sie gut gestaltet ist, ein Vorteil gegenüber der Konkurrenz sein kann, weil sie Investoren beruhigen kann. Die Digitalisierung müsse der ganzen Gesellschaft etwas bringen, und die Banken als Wirtschaftsmotor spielten hier eine wichtige Rolle, sagte Margelisch weiter. In seinem Schlusswort rief er in Erinnerung, dass die Digitalisierung von den Menschen gemacht sei und deshalb auch ihnen beherrscht werden sollte.

Claude-Alain Margelisch, CEO, Schweizerische Bankiervereinigung

Paul Rechtsteiner, Präsident Schweizerischer Gewerkschaftsbund SGB

Paul Rechsteiner, Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes SGB hat gleich zu Beginn auf die Wichtigkeit des Streiks des Bankpersonals von 1918 hingewiesen. Erst die Solidarität der Zürcher Arbeiterunion habe diesen Streik ermöglicht. Auch heute noch könne der Schweizerische Bankpersonalverband auf die Unterstützung des Gewerkschaftsbundes zählen, zumal der SBPV seit 17 Jahren zum SGB zähle. Untersetzung habe es in letzter Zeit vor allem bei der Arbeitszeiterfassung gegeben. Paul Rechsteiner ist davon überzeugt, dass auch in Zukunft eine aktive Sozialpartnerschaft und attraktive Gesamtarbeitsverträge die besten Mittel sind, um im Interesse der Wirtschaft und der Angestellten den Herausforderungen die Stirn zu bieten.

Daniel Jositsch, Präsident des Kaufmännischen Verbandes hat in einer Grussbotschaft die besten Wünsche seitens des KV für die Zukunft der SBPV übermittelt. Das anschliessende Podium hat unter der Leitung von Caspar Heer, Historiker, ehemaliger Journalist und Banker, die am Nachmittag aufgeworfenen Themenfelder in einer Diskussion vertieft. Das eidgenössische Improvisationstheater hat auf seine Art die Themen des Nachmittags aufgenommen und uns allen als Spiegel vorgehalten, was für herrliche Lachsalven gesorgt hat.

Daniel Jositsch, Präsident Kaufmännischer Verband KV

Caspar Heer (links) leitet die Podiumsdiskussion

Eidg. Improvisationstheater EIT, Bettina Wyer und Carlos Parada