Frauen in der Finanzbranche

Melanie Kampfer (Raiffeisen Schweiz)

Melanie Kampfer, Betriebswirtschafterin HF / Financial Consultant

Teilprojektleiterin ACS Schulung & Support, Vertriebsmanagerin Region Ost bei der Raiffeisen Schweiz Genossenschaft, Co-Geschäftsleitung beim Restaurant Adler in Fläsch GR, Vorstandsmitglied des Schweizerischen Bankpersonalverbandes 

Steckbrief:

Geboren und aufgewachsen in Schaffhausen, hat Melanie Kampfer eine klassische Banklehre bei der UBS absolviert. Dank eines internen Nachwuchsförderungsprogramms studierte sie in der Folge berufsbegleitend Betriebsökonomie. Anschliessend setzte sie in Frankfurt ihr Studium fort, mit dem Ziel ins International Private Banking zu wechseln. Ihre Berufslaufbahn führte sie zu mehreren Auslandeinsätzen von New York über Miami nach Südfrankreich bis hin nach Rom. Als Melanie Kampfer 2001 in die Schweiz zurückkehrte, wurde sie aufgrund ihres vielfältigen Banken Know-hows und ihrer ausgezeichneten Sprachkenntnisse nach St. Moritz gesandt, wo sie u.a. von 2002 bis 2010 im Wealth Management International arbeitete. War die Geschlechterquote im UBS-Nachwuchsförderungsprogramm noch ausgeglichen, so gehörte sie im Private Banking als Frau zu einer Minderheit. Die Turbulenzen im Crossboardergeschäft veranlassten sie den Weg zurück ins Schweizer Business zu nehmen. So entschied sie sich, die UBS-Filiale in Flawil zu übernehmen. Dank ihrer Leidenschaft für den Vertrieb etablierte sie diese in den Top 20 schweizweit. 2014 wechselte Melanie Kampfer zur Raiffeisen Bank, da sie vermehrt auch konzeptionell und interdisziplinarisch arbeiten wollte. Sie wurde Teil des Projektteams, das den Aufbau und die Implementierung von Avaloq managte. Nach dem vorläufigen Projektabschluss Ende 2017 wechselte sie in die Personalentwicklung. Dabei handelte es sich jedoch nur um ein kurzes Intermezzo, wurde sie doch ein halbes Jahr später ins Avaloq-Projekt zurückgeholt, um die 255 ausstehenden Banken bei der Implementierung der neuen Software zu unterstützen. 

 

Wie bringst Du Deine Kaderfunktion bei Raiffeisen und die Co-Geschäftsleitung beim Restaurant Adler unter einen Hut?

Ich bin in einem 80%-Pensum bei Raiffeisen angestellt, damit mein Partner (Geschäftsführer des Restaurants Adler) und ich einen gemeinsamen freien Tag in der Woche haben. Aktuell arbeite ich jedoch mehr als 80% bei Raiffeisen, da wir in einer intensiven Phase sind und das Projekt auf den Boden bringen wollen. Diese Flexibilität ist unabdingbar.

Wäre dieses Doppelpensum auch mit einer Familie denkbar?

Nein, denn es ist auch mit meinem Lebenspartner nicht immer einfach, die nötige Organisation zu gewährleisten. Diese bedingt eine starke gegenseitige Unterstützung und Offenheit. Zurzeit steht zudem auch eine Konzentration aufs Restaurant Adler im Raum, da wir eine Hotel-Erweiterung planen. Ich habe jedoch ziemlich Respekt, wenn sich alles nur noch ums Restaurant drehen würde. Im Bankenbereich finde ich Abwechslung und tue dies ebenfalls mit grosser Leidenschaft. Im Sinne von: wenn du für etwas brennst, brennst du nicht aus. Dies vermittle ich auch immer wieder meinen Mitarbeitenden.

Hast Du von Anfang an eine Bankkarriere beabsichtigt?

Da war keine Absicht dahinter, ich bin einfach reingerutscht. Mein Ziel war es stets, meine Sache gut zu machen. Männer hatten zuweilen konkretere Ziele, die sie in der Regel auch durchgezogen haben. Rückblickend war mein grosser Vorteil, dass ich mich nie selbst unter Druck setzte und immer das tat, was mir Spass machte und wo ich gutes Feedback bekam. Der Weg war das Ziel. Zudem mache ich höchstens Jahrespläne, 5-Jahrespläne sind übers Ziel geschossen und erzeugen mehr Druck als Entlastung.

Welche Tipps gibst Du jungen Frauen, die im Bankwesen Karriere machen möchten?

Am wichtigsten ist es, dass man seine Sache gerne macht. Dazu gehört eine gewisse Flexibilität, da zu sein, wenn es einem braucht. Auch das Netzwerk ist sehr wichtig- man muss sichtbar sein und stetig an der Visibilität arbeiten. Wenn eine Projektchance daherkommt, sollte man diese annehmen und sich darauf einlassen. Frauen könnten da ruhig noch mutiger sein und sich mehr zutrauen.

Hast Du spezifische Tipps in Sachen Netzwerk?

Zuerst einmal sollte man sich innerhalb der Bank respektive am Arbeitsplatz vernetzen, so ergibt sich das eine nach dem anderen im Sinne des Schneeballeffekts. Auch externe Netzwerke wie Business Professional Women (BPW) oder Service Clubs können helfen. Grundsätzlich gilt: nicht im Büro verstecken – raus gehen!

Wie stehst Du zur weichen Frauenquote, wie sie aktuell im nationalen Parlament diskutiert wird?

Ich war immer eher misstrauisch gegenüber einer Frauenquote, weil ich primär an Leistung glaube. Allerdings ist in den letzten Jahren viel über dieses Thema gesprochen worden, aber wenig passiert. Insofern könnte eine weiche Quote ein notwendiger Anschub sein.

Hast Du Dich im Verlauf Deiner Karriere jemals als Quotenfrau oder explizit benachteiligt gefühlt?

Ich habe mich niemals als Quotenfrau gefühlt, sondern musste im Gegenteil z.T. härter kämpfen als Frau. Vor allem im Private Banking und auch als Geschäftsstellenleiterin musste ich verstärkt auf mich aufmerksam machen um den Vorgesetzten zu zeigen, dass ich dasselbe leistete wie meine männlichen Kollegen. Im Endeffekt geht es aber ungeachtet des Geschlechts darum, im richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort die richtigen Leute zu kennen, womit wir wieder beim Netzwerk wären.

Welches Zeugnis attestierst Du der Raiffeisen Bank bei der Förderung von Frauen und bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

Raiffeisen ist ein Arbeitgeber, der Frauen die Chance bietet Karriere zu machen und der sich auch um die Kinderbetreuung kümmert. So verfügt Raiffeisen z.B. über eine eigene Kinderkrippe. Je nach Bereich ist es bis zur mittleren Kaderposition ohne weiteres möglich, in einem Teilzeitpensum zu arbeiten. Natürlich muss dies vom Team getragen werden und es bedarf auch eines Vorgesetzten, der an ein solches Modell glaubt. Dort sehe ich allerdings noch Potenzial, denn es gibt leider immer noch vereinzelt Vorgesetzte, welche in einem total veralteten Arbeitsmodus festhängen. Solche Vorgesetzte sind der festen Überzeugung, dass Führungstätigkeiten nicht in einem Teilzeitmodell möglich sind. Dies ist schade, wo doch zahlreiche Beispiele das Gegenteil beweisen.