Frauen in der Finanzbranche: Sandra Vigini

Steckbrief:

Projektleiterin Organisationsentwicklung und Vizepräsidentin der Arbeitnehmervertretung bei der Zürcher Kantonalbank

Sandra Viginis ursprüngliches Berufsziel war Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrerin. Nach einem obligaten Haushaltlehrjahr und einem Praktikum sowie Sprachaufenthalt im Tessin startete sie nach der bestandenen Aufnahmeprüfung ihre Ausbildung im Seminar Bernarda in Menzingen. Die Aussichten waren ungetrübt, bis ihr Erblindungszustände einen Strich durch die Rechnung machten und sie die Ausbildung schweren Herzens abbrechen musste. Während den langwierigen Abklärungen und Untersuchungen jobbte sie in verschiedenen Berufen: von Garderobiere, Verkäuferin, Karussellbedienung über Krankenpflegeaushilfe, Anziehhilfe für Mannequins, Massenversand-Assistentin und Aushilfe Kinderparadies. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie keine Ahnung, was sie nun beruflich machen sollte. Dann griff die IV ein und sie beschloss, die Handelsschule zu absolvieren. Im Anschluss daran arbeitete sie in verschiedenen Unternehmen als Sekretärin. Ein Vorgesetzter ermutigte sie, doch noch den KV-Abschluss zu machen, was sie dann auch tat. In der Folge rutschte sie langsam ins Projektmanagement und fand endlich etwas, dass sie wieder begeisterte und zur Ausbildung als IT-Projektleiterin ermutigte. Dies war auch der Zeitpunkt als sie auf die Zürcher Kantonalbank aufmerksam wurde und mit diesem Wechsel ihrer beruflichen Laufbahn eine permanent positive Wendung geben konnte.

Haben Sie von Anfang an eine Bankenkarriere beabsichtigt?

Wie im Steckbrief beschrieben, begann meine Bankenkarriere eher unbeabsichtigt und nicht nach Drehbuch. Einmal bei der Zürcher Kantonalbank angekommen, konnte ich diese jedoch richtig lancieren und mich entlang meiner Stärken und Interessen entwickeln. Ich startete als Informatik-Assistentin, baute dann das Projektoffice auf und wechselte anschliessend in die Projektkoordination. Nach 4 Jahre hatte ich meinen ersten Einsatz als IT-Projektleiterin und machte die Ausbildung zur Eidg. Dipl. Wirtschaftsinformatikerin, nebst zahlreichen internen Weiterbildungen und Förderungen. Einige Jahre danach zog es mich in Richtung Fach und ich begann als Business-Projektleiterin im Anlagen- und Vorsorgegeschäft zu arbeiten. Während dieser Zeit wurde ich zum Kader befördert, war Betriebssanitärin im Nebenamt und seit nun 5 Jahren in der Arbeitnehmervertretung. Im zweiten Semester 2018 konnte ich einen Langzeitstag bei der Personalentwicklung absolvieren, was mich in meinem seit einigen Monaten persönlichen Prozess der Neuausrichtung bestärkte. Seit März 2019 arbeite ich nun als Projektleiterin Organisationsentwicklung und plane eine Ausbildung zur Organisations- und Personalentwicklerin.

Wie wichtig ist für Sie ein aktives Netzwerk und haben Sie spezifische Tipps diesbezüglich?

Für mich ist ein aktives Netzwerk zentraler Bestandteil, um meine Arbeit zu machen und meine Weiterentwicklung sicherzustellen. Die Vernetzung ist nicht nur innerhalb, sondern auch ausserhalb des Unternehmens wichtig. Nehmen Sie immer wieder eine/n andere/n Kollegin oder Kollegen zu einem Mittagessen oder in die Kaffeepause mit. So erfahren Sie mehr über die verschiedenen Jobs, Aufgaben und Prozesse innerhalb des Unternehmens und nicht zuletzt auch über die Person. Nehmen sie auch an Veranstaltungen teil, gehen sie an Meet-ups und treffen sie neue Menschen aus verschiedenen Branchen. Schliessen sie sich einer Sportgruppe an, sei es zum Laufen, Badminton oder Tennis spielen etc.

Welche Tipps geben Sie jungen Frauen, die im Bankwesen Karriere machen möchten?

Ein gutes Netzwerk aufbauen, pflegen und auch nutzen. Sich aktiv in verschiedenen Arbeitsgruppen und Communities engagieren und offen sein für Neues. Sich stetig weiterbilden und sich auch mal Zeit für sich selbst nehmen. Ebenfalls als wichtig erachte ich, dass man seine Ziele und Wünsche klar formuliert, und, so lange sie für einen selbst stimmen, sich auch daran orientiert und seine Massnahmen danach ausrichtet. Es ist auch empfehlenswert, mit den Vorgesetzten darüber zu sprechen, denn auch diese haben ein Netzwerk, das einem Optionen eröffnen kann, an die man selbst nicht gedacht hat.

Welches Zeugnis attestieren Sie der ZKB bei der Förderung von Frauen und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

Das Beste, das es gibt. Beim Thema Vereinbarkeit ist die Zürcher Kantonalbank sehr fortschrittlich und unterstützt beispielsweise die Betreuung der Kindertagesstätten finanziell. Auch bietet sie Beratungsmöglichkeiten, wenn Individuallösungen gefragt sind, beispielsweise bei pflegebedürftigen Eltern. Schliesslich beinhaltet Vereinbarkeit viel mehr als «bloss» Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen. Als zentrales Element werden heute bei der ZKB flexible Arbeitsformen gefördert, wie z.B. Führung in Teilzeit. Damit wird vielen Frauen ermöglicht, eine Führungsfunktion anzustreben, arbeiten doch 50% der Mitarbeiterinnen in Teilzeit. Oder es kann auf ein gewisses jährliches Kontingent an unbezahlten Tagen zurückgriffen werden, was die Flexibilität ebenfalls erhöht.

Haben Sie sich im Verlauf Ihrer Karriere jemals als Quotenfrau oder explizit benachteiligt gefühlt?


Nein, ich habe mich niemals als Quotenfrau oder benachteiligt gefühlt. Ich denke, dass man sich manchmal selbst im Weg steht, sich zu viel hinterfragt, statt einfach zu wagen und die nötigen Schritte zu machen. Wenn ich drei Wünsche für uns Frauen hätte, dann, dass wir uns weniger hypothetische Gedanken machen, den Mut haben etwas Neues anzupacken und zu wagen, und keine Angst haben, wenn wir scheitern, sondern daraus lernen und erneut probieren.
 

Wie stehen Sie zu einer weichen Frauenquote, wie Sie kürzlich im nationalen Parlament diskutiert wurde?

Ich finde weder eine weiche noch eine harte Frauenquote sinnvoll, weder befristet noch unbefristet. Ich selbst möchte keine Quotenfrau sein. Wenn ich eine führende Position innehabe, möchte ich dies als Wertschätzung erachten, weil ich eine gute Leistung bringe, eine hohe Sozialkompetenz habe etc. und nicht aufgrund einer Quote. Aus meiner Sicht ist es eine Kulturfrage, ob Frauen in der Führungsetage vertreten sind oder nicht. Eine Kulturänderung kann nicht mit einer Quote erzwungen werden und sie kann auch nicht von heute auf morgen geschehen. Wichtig ist, dass Unternehmen stetig daran arbeiten und Führungskräfte wie auch Mitarbeitende sensibilisieren. Im Rahmen des Talentmanagements sollten Coaches individualisierte Gespräche führen mit dem Fokus «Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten», «Stärkung der Wirkung und des Auftretens» etc.

Haben Sie vor am Frauenaktionstag vom 14. Juni 2019 teilzunehmen und erachten sie diesen als eine notwendige Massnahme hin zur Erreichung der Gleichstellung?

Nein, ich werde nicht am Frauenaktionstag vom 14. Juni 2019 teilnehmen. Einerseits, da ich in Vollzeit tätig bin und mich nach der Arbeit als alleinsorgende und alleinerziehende Mutter meiner 6-jährigen Tochter widmen möchte, und andererseits, da diese Massnahme nicht zu mir passt. Verstehen Sie mich nicht falsch. Der Frauenaktionstag ist eine wichtige Massnahme und ich wünsche allen, die daran teilnehmen, viel Erfolg. Im Endeffekt ist er aber nur eine von weiteren Massnahmen hin zur Erreichung der Gleichstellung.