Iqbal Kahn vs. Tidjane Thiam: die Position des SBPV

1. Iqbal Kahn und Tidjane Thiam sind keine Bankangestellten im herkömmlichen Sinne, sondern Manager
Die beiden Herren sind nicht Mitglieder unseres Verbands und haben nicht um die Unterstützung des SBPV gebeten (was für eine Überraschung!). Ihr Fall ist auch nicht generell auf Bankmitarbeitende übertragbar. Darüber hinaus kennen wir die zwischen der CS und Herrn Kahn ausgehandelten Bedingungen nicht, was eine verstärkte Überwachung der CS erklären könnte, wenn er vorher informiert worden wäre. Da der SBPV keine Stellungnahme abgibt, ohne die wesentlichen Elemente eines Falles zu kennen, haben wir mit Zurückhaltung auf die vielen Anfragen von Journalisten reagiert.

2. Vorbildcharakter der Chefs
Der SBPV ist der Ansicht, dass diese Geschichte mehrheitlich der Rubrik People und nicht der Rubrik Finanz entspringt. Sicherlich hat sie einen Einfluss auf den Kurs der CS-Aktie gehabt und dazu geführt, dass bei den Finanzkommentatoren viel Tinte floss. Zu Recht? Die Frage ist irrelevant, da die Finanzmärkte ohnehin volatil und meistens unberechenbar sind.

Dennoch könnte man erwarten, dass ein CEO ein grösseres Verantwortungsbewusstsein an den Tag legt. Ein Chef geht davon aus, dass er es wissen muss – wenn er es nicht weiss, liegt es daran, dass er es falsch handhabt – und seine Untergebenen schützt. In vorliegenden Fall wurden zwei Verantwortliche identifiziert und haben die Szene verlassen, zumindest für den Moment. Was Mitarbeitende auf allen Hierarchieebenen daraus ableiten: grösste Vorsicht – denn bei Fehlern, sei es aufgrund mangelnder Wertschätzung oder Versagens, müssen sie die Schuld allein tragen. Diese implizite Botschaft ist nicht wirklich gut für die Truppenmoral.

3. Sollten auch Mitarbeitende Angst davor haben, ausspioniert zu werden?
Der eidgenössische Datenschutzbeauftragte hat Regeln für die Überwachung der Mitarbeitenden festgelegt. «Unternehmen dürfen von ihren eigenen oder externen Mitarbeitenden eine Personensicherheitsprüfung verlangen, wenn diese aufgrund ihrer Tätigkeit ein erhöhtes Risiko für das Unternehmen darstellen. Beschäftigte, die gemäss Risikoeinschätzung des Unternehmens eine solche Funktion ausüben, müssen eine Personensicherheitsprüfung akzeptieren, wobei natürlich stets der Einzelfall zu berücksichtigen ist. Mitarbeitende auf jeder Hierarchiestufe (Direktoren, IT-Spezialisten, Sekretariatsmitarbeitende, Lehrlinge, Reinigungspersonal usw.) können in eine Risikokategorie fallen, die eine Personensicherheitsprüfung verlangt.» Mitarbeitende müssen dabei im Voraus informiert werden – Informationen in einem Personalreglement reichen aus. Mitarbeitende können jederzeit verlangen, über die über sie erhobenen Daten und die Dauer der Aufbewahrung dieser Daten informiert zu werden. Sie können auch die Löschung dieser Daten verlangen, insbesondere wenn sie fehlerhaft sind.

Jede geheime Datenerhebung ist verboten. Eine Beschattung macht nur Sinn, wenn sie geheim ist, ergo ist sie verboten. Wenn Zweifel angesichts der Tätigkeiten eines Angestellten bestehen, kann die Bank eine Anzeige einreichen. Die Justizbehörden können dann mit ihrem gesamten Arsenal eingreifen. Bislang war dem SBPV jedoch keine Aufsicht über Mitarbeitende ausserhalb einer Bank bekannt.

4. Fragen des Datenschutzes und der Privatsphäre werden immer wie wichtiger
Mit der technologischen Entwicklung wird der Schutz der Privatsphäre und der Persönlichkeit zu einem immer wie wichtigeren Thema im Zusammenhang der Datenerfassung. Technologische Mittel ermöglichen es nicht nur, E-Mails und Telefone zu kontrollieren, die vom Arbeitsplatz aus bedient werden, sondern auch Informationen aus anderen Quellen zu sammeln – Social Media, Datenkauf etc. Nicht alles ist erlaubt, im Gegenteil. Welche Rechte haben Arbeitnehmende und welche Mittel müssen sie haben, um sich zu schützen? Wir werden diese Punkte im nächsten Jahr ausführlicher diskutieren. Wer sich für diese Fragen interessiert und bereit ist, sein Wissen auf diesem Gebiet weiterzugeben, kann sich an Rebekka Theiler wenden: rebekka.theiler@sbpv.ch