Ist die Zeit reif für eine Frauenquote?

Im Zuge des laufenden Geschäfts im Ständerat zum Thema der weichen Frauenquote als Bestandteil der Aktienrechtsrevision wollte auch der SBPV einen Beitrag zu dieser hochaktuellen Debatte leisten und lud deshalb mit Christa Markwalder (FDP-Nationalrätin) und Daniella Lützelschwab (Geschäftsleitungsmitglied des Arbeitgeberverbands) zwei Vertreterinnen aus Politik und Wirtschaft ein, um zusammen mit unserer Geschäftsführerin Denise Chervet zu diskutieren. Moderiert wurde der Anlass von SRF-Wirtschaftsredaktorin Claudia Stahel.

Nachfolgend eine Zusammenfassung der markantesten Voten der Podiumsdiskussion:

Christa Markwalder: Wir haben heute Abend eine spannende und zuweilen auch kontroverse Diskussion über Geschlechterrichtwerte oder Frauenquoten geführt. Der Nationalrat hat solche Geschlechterrichtwerte im Rahmen der Aktienrechtsrevision beschlossen. Ich hoffe natürlich, dass der Ständerat dem Nationalrat folgen und dies auch einführen wird. Es handelt sich um einen «Comply or Explain» Ansatz. Für den Verwaltungsrat würde ein Frauenanteil von mindestens 30 Prozent und für die Geschäftsleitung von mindestens 20 Prozent vorgeschrieben, mit einer langen Anpassungsfrist von 5 respektive 10 Jahren. Ich persönlich finde zudem, dass es eine Sunset-Klausel (auch Auslauf-Klausel genannt) geben sollte, weil ich daran glaube, dass Gleichstellung erreichbar ist und wir nicht ewig zuwarten sollten. Mit anderen Worten heisst dies, dass die Regelung in 10 Jahren wieder ausser Kraft gesetzt wird, in der Erwartung, dass die Gleichstellung dann auch erreicht ist.

Danielle Lützelschwab: Die Diskussion um die Frauenquote zeigt, dass es verschiedene Aspekte zu berücksichtigen gilt. Einerseits gibt es die persönlichen Aspekte bei den Frauen, andererseits sollten sich aber auch die Arbeitgeber gut überlegen, mit vermehrten Teilzeitmodellen einen Beitrag zu leisten. Dazu kommt der gesellschaftliche Aspekt, im Sinne davon, dass man versuchen muss, von althergebrachten Rollenbildern wegzukommen und den Frauen Rahmenbedingungen zu bieten, damit sie aufsteigen können. Fest steht, dass auch die Arbeitgeber eine bessere Vertretung von Frauen in Geschäftsleitungs- und Verwaltungsratspositionen anstreben aber die weiche Frauenquote nicht als geeigneten Weg dorthin betrachten.

Denise Chervet: Für mich ist es wichtig eine Frauenquote oder wenigstens Richtwerte zu haben. Die Erfahrung hat gezeigt, dass wir nicht eine, sondern zwei oder drei Frauen in einem Gremium brauchen. Mit solchen Richtwerten können wir eine angemessene Vertretung gewährleisten, zudem können Frauen so auch stärkeren Einfluss auf die Kultur der Betriebe nehmen.

Bei der abschliessenden Fragerunde meldeten sich mehrere Frauen und Männer zu Wort und verdeutlichten mit ihren Interventionen, dass das Thema der Frauenquoten oder Geschlechterrichtwerte alle etwas angeht und eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung hat. So wurde beispielweise auch der Aspekt der zu steigernden Quote der Teilzeitarbeit für Männer angesprochen, welcher wiederum einen positiven Einfluss auf eine bessere Vertretung von Frauen in Führungspositionen haben sollte. Im Endeffekt hat sich gezeigt, dass die Diskussion um Geschlechterrichtwerte noch lange nicht beendet ist und nun der Ball vorerst beim Ständerrat liegt, mit seinem Votum vom 10. Dezember zur Aktienrechtsrevision und der weichen Frauenquote einen Schritt in die richtige Richtung zu machen.