Lohnerhöhung 2020 – Hoffnung oder feste Absicht?

Wer gewinnt, wer verliert?
Individuelle Lohnverhandlungen werden nicht in der gleichen Weise vorbereitet wie kollektive Lohnverhandlungen, für die die Personalausschüsse oder der SBPV zuständig sind. Letztere beziehen sich auf Konjunkturindikatoren, den Verbraucherpreisindex, die Produktivität, den Arbeitsmarkt etc. Individuelle Lohnverhandlungen hängen von anderen Faktoren ab – eine gute Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg jeder Verhandlung. Es ist zwar auch wichtig, die wirtschaftliche Situation des Unternehmens und das Gehaltsniveau im Betrieb zu kennen, darüber hinaus muss aber auch eine Analyse Ihrer individuellen Vor- oder Nachteile vorgenommen werden. Aus Erfahrung wissen wir, dass Lohnerhöhungen eher an diejenigen verteilt werden, die gerade eingestellt wurden, die als mögliche Talente erkannt wurden und man deshalb behalten will, an junge Menschen zu Beginn ihrer Karriere, an diejenigen, mit denen wir uns verbunden fühlen, aber auch und vor allem an diejenigen, die sie verlangen! Wenn Sie nicht zu diesen Glücklichen gehören, müssen Sie die Argumente für eine Lohnerhöhung sehr gut vorbereiten.

Bereiten Sie sich gut vor
Wann soll man fragen und wie viel mehr soll man verlangen? Der beste Zeitpunkt für eine individuelle Lohnverhandlung ist nach dem Qualifikationsgespräch, welches eine wichtige Grundlage für die Lohnforderung ist, wie auch in der VAB ausgeführt wird: «Lohnerhöhungen erfolgen auf der Basis von regelmässig festgelegten Qualifikationen» (Art. 25 Abs. 3). Während des Jahres kann auch eine Beförderung oder eine Änderung des Pflichtenhefts Auslöser dafür sein, bei Frauen zudem Anzeichen von Lohnungleichheit.

Um den möglichen Lohnanspruch abzuschätzen, ist es notwendig, eine Vorstellung von den Löhnen der Branche und des Unternehmens zu haben. Die mangelnde Transparenz in Lohnfragen ist daher ein grosses, aber nicht unüberwindbares Hindernis: der SBPV-Lohnfragebogen aber auch die Online-Lohnrechner des SGB oder des Bundesamtes für Statistik sind nützliche Werkzeuge.

Es ist auch notwendig, sich selbst zu bewerten, um Argumente für eine Gehaltserhöhung zu sammeln und Gegenargumente vorzubereiten: Was waren die individuellen Leistungen, welche Rolle spielt man im Team, wurde man geschult etc. Die Qualifikation ist ein Schlüsselelement dieser Bewertung. Wenn sie schlecht ist, kann sie angefochten werden. Ihre schriftliche Stellungnahme wird für die Zukunft und auch für einen neuen Chef nützlich sein. Eine schlechte Qualifikation ist ein nicht zu unterschätzendes Element, da sie einen negativen Einfluss auf Ihre Bewerbung hat. Das bedeutet aber nicht, dass auf eine Lohnforderung verzichtet werden sollte. Auch die Situation des Unternehmens spielt eine Rolle: Gibt es einen Personalmangel in Ihrem Fachgebiet in der Abteilung, ist Ihre letzte Gehaltserhöhung schon lange her, gibt es Anzeichen für geschlechtsspezifische Lohnunterschiede

Wagen Sie zu fragen
Wenn Sie gut vorbereitet sind, wird Ihr Antrag auf eine Lohnerhöhung nicht fehl am Platz sein: Sie haben die Argumente und Sie kennen sich selbst und Ihr Unternehmen. Auch wenn Ihre Forderung nicht erfüllt wird, ist Ihr gut formulierter Antrag eine gute Basis für die die Zukunft

Während des Gesprächs beweisen sie Zuhör- und Verhandlungskompetenzen, indem Sie auf alternative Vorschläge eingehen oder diese selbst einbringen. wie z.B. eine Aus- oder Weiterbildung, eine Verbesserung Ihres Pflichtenhefts, eine Auszeit, Home Office usw. Schliesslich ist es wichtig, dass jede Partei das Gefühl hat, dass sie in der Lage war, ihren Standpunkt darzulegen, und dass sie aktiv zur Suche nach einer für beide Seiten akzeptablen Lösung beigetragen hat. In diesem Fall mag Ihre Lohnerhöhung nicht für dieses Jahr sein, aber Sie haben eine gute Grundlage für das nächste Jahr gelegt.

Fazit:
Es ist wahrscheinlicher, eine Gehaltserhöhung zu erhalten, wenn Sie danach fragen und diese aktiv einfordern. Bereiten Sie also Ihre Argumente vor und schreiten Sie zur Tat, anstatt bloss darauf zu hoffen!