Lohnsicherheit bei der Migros Bank

Die überrissenen Boni der Manager werden regelmässig von den Medien thematisiert und kritisiert, nicht nur aufgrund der exorbitanten Beträge, sondern auch wegen des gefährlichen Verhaltens, das durch diesen rein käuflichen Anreiz hervorgerufen wird. Im Gegenzug dazu sind die an die Bankangestellten ausgeschütteten Boni merklich niedriger. Meistens bewegen sich diese zwischen 500 Franken und dem Monatsgehalt, wenn es denn überhaupt einen Bonus gibt. Auch wenn sich hier die Boni in einem «vernünftigen» Bereich bewegen, gehören auch sie abgeschafft und in das Grundgehalt integriert, wie es die Migros Bank vor kurzem angekündigt hat.

Tatsächlich verursachen die Boni eine ungesunde Konkurrenz zwischen den Mitarbeitenden, begünstigen kurzfristige Handlungsweisen und haben keinen nachhaltigen Effekt auf die Lohnzufriedenheit. Im Gegenteil verursachen Bonusreduktionen immer Frustrationen, währenddessen Bonuserhöhungen keine langfristigen Budgetpläne erlauben und somit schnell vergessen werden. Anders gefragt: reicht die Hoffnung auf einen grosszügigen Bonus, um die Produktivität der Angestellten zu erhöhen? Dies kann ernsthaft bezweifelt werden. Die Zufriedenheit am Arbeitsplatz und die Identifikation mit den Zielen des Unternehmens sind bei weitem effizientere und nachhaltigere Anreize. So hängt die Zufriedenheit am Arbeitsplatz wenig überraschend von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. die Anerkennung, das gegenseitige Vertrauen, die gute Arbeitsorganisation und die Lohngleichheit.

Wie jedoch können Mitarbeitende für ein aussergewöhnliches Engagement belohnt werden? Ein Essen in einem guten Restaurant, ein Gutschein für ein Hotel oder Spa, eine kleine Gratifikation oder eine (grosse) Schachtel Pralinen werden sicherlich geschätzt, ohne die ungewollten Nebenwirkungen der Boni mit sich zu bringen.

Bleibt noch das gern zitierte Argument der Arbeitgeber, dass Boni eine flexible Lohnpolitik erlauben. Auf den ersten Blick scheint es juristisch einfacher, die Boni anstatt die Löhne zu reduzieren. Die Rechtsprechung des Bundesgerichts zeigt eine vielfältige Palette von Beschlüssen zu dieser Frage, denn die rechtliche Qualifikation von variierenden Boni sind Gegenstand komplexer Gerichtsverfahren. Weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer können ernsthaft interessiert sein, eine solch unsichere juristische Praxis zu unterstützen.

Stellt sich also bloss noch die Frage, wann die fällige Integration der Boni in die Löhne der Mitarbeitenden in den anderen Schweizer Banken Tatsache wird.