SBPV Lohnumfrage 2019

Der Lohn ist ein wesentlicher Bestandteil des Arbeitsvertrags. In den Banken werden die Löhne meistens individuell hinter verschlossenen Türen verhandelt. Informationen über die ausgehandelten und tatsächlich ausbezahlten Löhne bieten Bankangestellten eine wichtige Argumentationsbasis bei Lohnverhandlungen. Deshalb führt der Schweizerische Bankpersonalverband (SBPV) alle zwei Jahre eine Lohnumfrage durch, um mehr Transparenz in Bezug auf die Löhne in der Finanzbranche zu schaffen.

Vollständiger Bericht zur
Lohnumfrage 2019

Interaktive Grafiken - erkunden Sie die wichtigsten Ergebnisse

Die wichtigsten Ergebnisse der Lohnumfrage 2019

Steigende Fixlöhne

2019 sind die Fixlöhne merklich angestiegen. Der Medianlohn ist seit 2017 um CHF 3’000 auf insgesamt CHF 105’000 gestiegen, was einem Anstieg um 2.9% entspricht. Der hohe Anstieg der Löhne gegenüber dem Jahr 2017 kann teilweise damit erklärt werden, dass sich die Beteiligung der verschiedenen Bankengruppen verändert hat, was den Effekt der steigenden Löhne zusätzlich verstärkt. So oder so zeigt dieses Ergebnis dieselbe Tendenz wie die vom Bundesamt für Statistik (BFS) veröffentlichten Zahlen zur Lohnentwicklung 2018.

Von den gestiegenen Fixlöhnen profitieren Personen aus allen Hierarchiestufen. Trotz dieser auf den ersten Blick breiten Verteilung gaben immer noch 61% der Befragten an, dass ihr Fixlohn sich in den letzten Jahren nicht verändert hat. Die Lohnerhöhungen kamen also gerade mal rund 40% aller Angestellten zugute.

Lohnunterschiede von bis zu 40% zwischen Frauen und Männern

Die Lohnumfrage 2019 stellt grosse Unterschiede zwischen Frauen und Männern sowohl bei den Fixlöhnen wie auch bei den Boni fest. Die Unterschiede beim Fixlohn betragen im Durchschnitt 22.2% und bei den Boni sogar 36%.

Noch 2017 konnte bei der Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen ein Rückgang beobachtet werden. Dieser Rückgang hat sich jedoch leider nicht zu einem längerfristigen Trend etnwickelt. Zwar befinden sich die Fixlöhne für Männer und Frauen auf einem Höchststand, doch sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern markant gestiegen. Noch gravierender sind die Unterschiede bei den Boni, wo sich die Differenz zwischen Frauen und Männern mehr als verdreifacht hat.  

Unberechenbare Boni

Die ausbezahlten Boni stiegen 2019 im Durchschnitt leicht an. Der Median verändert sich jedoch nicht. Die Erhöhung von Boni verteilt sich also auf tiefere wie auch höhere Boni-Auszahlungen. Aber auch 60% der Befragten geben an, dass sich ihr Bonus seit 2018 verändert hat. Bei rund der Hälfte dieser Personen wurde der Bonus reduziert. Dabei handelt es sich teilweise um massive Reduktionen. 22% gaben eine Reduktion um mehr als 20% an. Dasselbe Bild zeigt sich bei Bonus-Erhöhungen. Dies zeigt, wie unberechenbar Boni sind und dass sie sich in kurzer Zeit stark verändern können. Die Folge davon ist, dass der Bonus nicht planbar ist, was besonders bei Personen mit tieferen Löhnen problematisch ist.

Alarmierende Unzufriedenheit im Finanzsektor

Die Werte der Arbeitszufriedenheit haben sich gegenüber 2017 leicht verbessert. Dies ist eine erfreuliche Veränderung gegenüber den letzten Jahren. Jedoch ist das Ausmass der angegebenen Unzufriedenheit beunruhigend. Weiterhin fühlen sich 36% der befragten Personen nach der Arbeit leer und ausgebrannt. 33.7% empfinden ihre Arbeit als oft frustrierend, 25.4% können sich in ihrer Freizeit nicht richtig erholen und 25.7% haben Angst um ihre berufliche Zukunft.

Im nationalen Vergleich beunruhigen die Ergebnisse umso mehr. Die Unzufriedenheit im Schweizer Finanzsektor liegt doppelt bis dreimal so hoch wie im Schweizer Durchschnitt.

Dass sich auch 2019 noch bis zu einem Drittel der Personen negativ zu ihrer Arbeitssituation äussert, muss als Warnung gesehen werden. Die Arbeitssituation in Finanzinstituten wird als besonders belastend wahrgenommen. Handlungsbedarf ist dringend angezeigt, was ganz klar einen weiteren Wandel in der Unternehmenskultur bedingt.