SBPV-Lohnumfrage 2019

Der Lohn ist ein wesentlicher Bestandteil des Arbeitsvertrags. In den Banken werden die Löhne meistens individuell hinter verschlossenen Türen verhandelt. Informationen über die ausgehandelten und tatsächlich ausbezahlten Löhne bieten Bankangestellten eine wichtige Argumentationsbasis bei Lohnverhandlungen. Deshalb führt der Schweizerische Bankpersonalverband (SBPV) alle zwei Jahre eine Lohnumfrage durch, um mehr Transparenz in Bezug auf die Löhne in der Finanzbranche zu schaffen.

Wir garantieren vollständige Anonymität und versichern allen Teilnehmenden, dass persönliche Daten unter keinen Umständen an Dritte weitergegeben werden.

Lohnumfrage 2017 – die wichtigsten Ergebnisse

1.     Im Jahr 2017 war die Bonuspolitik ein wesentlicher Faktor in Sachen Ungleichheit. Infolgedessen war auch die Unzufriedenheit beim Bonus höher als beim Lohn, und dies unabhängig von der Hierarchiestufe.

Im Jahr 2017 wurde zusätzlich zum Lohn auch nach Weiterbildungen gefragt. Dabei stellte sich heraus, dass von den Personen, die keine Weiterbildung gemacht hatten, 36% gerne eine absolviert hätten. Als Grund gaben die meisten Befragten an, dass ihnen die Zeit dazu gefehlt hatte. Als Konsequenz fordert der SBPV von den Arbeitgebern mit Nachdruck eine konsequente Förderungspolitik und Entwicklungsmöglichkeiten für die Mitarbeitenden.

In der kommenden Lohnumfrage wird der Fokus neben Lohn und Boni auf der Vereinbarung über die Anstellungsbedingungen der Bankangestellten (VAB) liegen.

Vollständiger Bericht zur
Lohnumfrage 2017

Lohnumfrage 2017 – «Boni-Transparenz fehlt»

Interview mit Denise Chervet – erschienen im Juni 2017 in der «Schweizer Bank»

Wo sehen Sie aufgrund der Ergebnisse der Lohnumfrage 2017 den grössten Handlungsbedarf?

Deutlich sind die Unterschiede bei den Boni. Dies ist insbesondere auch zwischen Männern und Frauen höheren Alters und in höheren Rängen der Fall. Handlungsbedarf besteht auch bei der Boni-Transparenz, denn hier haben die Personalkommissionen im Gegensatz zu den Löhnen keinen Einblick und können entsprechend ihre Anliegen und Forderungen nicht einbringen.

Warum sind die Lohn- und Boni-Unterschiede zwischen den Geschlechtern so deutlich?

Zum einen arbeiten mehr Frauen Teilzeit. Zum anderen haben viele Banken die Situation von Wiedereinsteigerinnen nach Mutterschaftsauszeiten noch nicht wirklich in ihre Kultur integriert, zum Beispiel mit flexiblen Arbeitszeitmodellen auch für Jobs in höheren Rängen, damit Frauen keine «Kinderpausen» machen müssen. Es genügt nicht, Programme für Wiedereinsteigerinnen durchzuführen, die «Kinderpausen» sollten zudem auch als Erfahrung wahrgenommen werden und entsprechend in den Löhnen auch gewürdigt werden.

Wie erlebten Sie die Stimmungslage bei den Bankangestellten in Bezug auf die Boni-Politik?

Die Stimmung bei vielen Bankangestellten ist in dieser Hinsicht nicht gut. Sie stören sich daran, dass einerseits sehr hohe Boni an Topkader ausgesprochen werden und anderseits Sparmassnahmen mit Stellenabbau durchgeführt werden. Allerdings üben die Belegschaften auch nur wenig Druck aus, nicht wie die Aktionäre. Viele haben Angst, sich gegenüber dem Arbeitgeber zu exponieren.

Funktioniert der sozialpartnerschaftliche Dialog?

Der Dialog findet meistens mit den Personalverantwortlichen und nicht direkt mit den Geschäftsleitungen statt. Viele HR- Verantwortliche sind zwar wohlwollend und suchen ernsthaft nach Massnahmen, um die Konsequenzen von Stellenabbauentscheiden zu lindern, doch das genügt nicht. Die besten Vorsätze taugen nur, wenn die Betroffenen aktiv eingebunden werden und ihre Vorschläge und Forderungen ernsthaft geprüft werden. Die Personalpolitik soll zudem auf Ebene Geschäftsleitung auch aktiv wahrgenommen werden, und bei eingreifenden Entscheiden muss die GL auch direkt den Dialog mit den Personalvertretern suchen.

Rund ein Drittel der Bankangestellten nimmt die persönliche Arbeitssituation als belastend wahr. Was ist zu tun?

Banken sollten ihre Sparmassnahmen und einen damit einhergehenden Stellenabbau offener kommunizieren, also mit den Betroffenen direkt sprechen. Stellenabbau hat natürlich auch immer Auswirkungen auf die verbliebene Belegschaft. Die Bank müsste den Teams klar aufzeigen, wie die Aufgaben trotz reduzierten Ressourcen bewältigt werden können. Eine offene Kommunikation fördert auch das Vertrauen und die Loyalität aller Mitarbeitenden zur Bank.