Sozialplan verhandeln – Freiwillige Kündigung erweist sich als erfolgreiche Massnahme

24. August 2017

Im Rahmen einer Sozialplanverhandlung mit einer Bank infolge Restrukturierung wurde eine neuartige Massnahme eingesetzt: Mitarbeitende konnten melden, freiwillig aus der Bank zu scheiden. Das betroffene Unternehmen und der Schweizerische Bankpersonalverband (SBPV) ziehen eine positive Bilanz aus dieser Erfahrung.
Bei den Sozialplanverhandlungen hat der SBPV der Bankdirektion den Wunsch der Mitarbeitenden unterbreitet, dass diese auch bei freiwilligem Ausscheiden aus der Bank vom Sozialplan profitieren können. Die Angestellten wollten damit eine ungewünschte Kündigung vermeiden. Die Direktion akzeptierte den Vorschlag und ein einzigartiges Dispositiv bei freiwilligen Abgängen wurde in einer gemeinsamen Vereinbarung festgehalten.
Weniger Kündigungen
Im vorliegenden Fall plante die Bank eine Restrukturierung genau definierter Posten. Freiwillige Kandidaten für eine «Kündigung/Entlassung» konnten von den Vorteilen des Sozialplans profitieren, wenn durch das freiwillige Ausscheiden aus der Bank die Anzahl Kündigungen reduziert werden konnte.
Die Angestellten, die die Bank freiwillig verlassen wollten, mussten die Human Resources der Bank über ihren Wunsch informieren, in den Genuss des Sozialplans zu kommen. Die Bank prüfte sorgfältig jeden Antrag unter absoluter Vertraulichkeit. Sie entschied anschliessend, ob der Antrag akzeptiert wurde oder nicht. Sie achtete insbesondere darauf, Kündigungen anderer Angestellter zu vermeiden, die ebenfalls von der Restrukturierung betroffen waren. Die Prüfung jedes Dossiers war für die Human Resources der Bank mit einem beachtlichen Mehraufwand verbunden.
Keine Diskriminierung für freiwillige Kandidaten
Die Bank setzte sich dafür ein, dass die Angestellten, die freiwillig aus der Bank ausscheiden wollten, keine Nachteile bei der Fortsetzung ihrer Karriere erfuhren, sollte ihr Antrag abgelehnt werden. Sie kam dieser Zusage voll und ganz nach. Der SBPV erhielt keinerlei Beschwerden von Seiten der Mitarbeitenden, aufgrund ihres abgelehnten Antrags diskriminiert oder bedroht worden zu sein.
Die Bank stellte einen generösen Sozialplan in Sachen Abgangsentschädigungen, zusätzliche Outplacement-Massnahmen und Frühpensionierungen zur Verfügung. Über 100 Mitarbeitende meldeten sich, freiwillig die Bank zu verlassen. Mehr als die Hälfte der Anträge wurde gutgeheissen. Die Antragsteller erfüllten die Kriterien für das freiwillige Ausscheiden aus der Bank, was bedeutet, sie hatten eine Stelle inne, die abgebaut werden sollte, oder ihre Stelle konnte von einem Kollegen übernommen werden, dessen Stelle abgebaut werden sollte. Die freiwilligen Abgängemachten einen wesentlichen Teil der abgebauten Stellen im Rahmen der Restrukturierung aus.
Wenn die Restrukturierung zum Investment wird.
Eine HR-Verantwortliche der Bank betonte: Dieses Programm half, die Anzahl unfreiwilliger Kündigungen und auch die Anzahl der betroffenen Stellen zu reduzieren, und dies in einem entspannten Klima. Es brauchte von beiden Seiten eine gewisse Offenheit für dieses Experiment. Die Angestellten, die sich freiwillig meldeten, zeigten viel Vertrauen und Mut und vertrauten darauf, dass ihre Karriere im Fall einer Ablehnung keinen Schaden nehmen würde. Die Bank ihrerseits rechnete nicht mit freiwilligen Abgängen, um Restrukturierungskosten zu sparen. Eine gelungene Restrukturierung ist eine Investition in die Zukunft und hilft, Motivationsverluste zu vermeiden, die Massenentlassungen schonungslos hervorrufen.