Homeoffice im Licht des Gesamtarbeitsvertrags VAB

Innerhalb kürzester Zeit ist die Arbeitsform Homeoffice für eine grosse Anzahl der Angestellten zur täglichen Praxis geworden. Die Erfahrungen mit Homeoffice zu Beginn und im Verlauf der Covid-19-Pandemie haben dazu beigetragen, viele Vorurteile abzubauen und diese neue Arbeitsform allmählich zu akzeptieren. Problematisch ist jedoch, dass viele Unternehmen Homeoffice im Eiltempo angeordnet haben, ohne dabei Einzelheiten festzulegen.

Auch wenn die Pandemie voraussichtlich im Verlauf von 2021 unter Kontrolle gebracht werden kann, wird Homeoffice nicht verschwinden, da diese Arbeitsform mittlerweile breite Anerkennung gefunden hat. Offen bleibt, unter welchen Bedingungen Homeoffice dann angewendet wird? Welche Regeln brauchtes und auf welcher Ebene? Dies soll in diesem Artikel untersucht werden.

Homeoffice und das Schweizerische Arbeitsrecht

Mehrere Parlamentarier haben Vorstösse zu diesem Thema gemacht und Berichte verlangt. Aufgrund dieser Berichte, auf dieser Grundlage kam der Bundesrat zum Schluss, dass für Homeoffice die geltende Gesetzgebung gilt und eine Regulierung zumindest vorläufig ausreichend ist.1

Doch die Gesellschaft entwickelt sich laufend weiter, und die Gesetzgebung muss sich entsprechend anpassen. Dies hat sich in Bezug auf die Gleichberechtigung oder in jüngster Zeit beim Vaterschaftsurlaub gezeigt: Wenn die Regulierung unzureichend war, reagierte die Zivilgesellschaft. Umgekehrt wendet sie sich gegen Gesetzesänderungen, die sie nicht für notwendig erachtet. So hat die Bevölkerung beispielsweise die 40-Stunden-Woche abgelehnt, da viele Gesamtarbeitsverträge diesen Punkt entsprechend den Bedürfnissen der Branche geregelt haben.

Wenn Homeoffice in den Gesamtarbeitsverträgen nicht zufriedenstellend geregelt ist, wenn Konflikte um Homeoffice zunehmen, wenn der Gesundheitsschutz der betroffenen Arbeitnehmenden unzureichend ist, ist es durchaus möglich, dass der Gesetzgeber mehr oder weniger langfristig eingreifen muss.

1) Das Bundesgesetz über die Heimarbeit und die Artikel des Schweizerischen Obligationenrechts decken die Arbeit zu Hause nicht ab. Das Gesetz gilt nur für «handwerkliche und gewerbliche Arbeiten, die ein Arbeitnehmer allein oder mit Hilfe von Familienangehörigen in seiner eigenen Wohnung oder in der Wohnung eines Familienangehörigen mit der Hand oder mit Maschinen und gegen Zahlung eines Entgelts ausführt». Dahingegen handelt es sich bei der Arbeit zu Hause im Wesentlichen um eine unternehmerische Tätigkeit und es gibt weniger Spielraum für die Organisation der Arbeit als bei der Heimarbeit, die durch dieses Gesetz geregelt wird.

Welche vertragliche Regelung braucht es für Homeoffice?

Studien und Erfahrungen der letzten Monate zeigen, dass die Rechte und Pflichten der einzelnen Parteien bei Homeoffice besser geklärt werden müssen, wenn nicht auf gesetzlicher, so doch zumindest auf vertraglicher Ebene.

Die vertragliche Regelung kann und sollte auf verschiedenen Ebenen erfolgen: im Gesamtarbeitsvertrag, auf Unternehmensebene oder auch im individuellen Arbeitsvertrag, wobei die Handlungsfelder jeder Vertragsform zu beachten sind. Der Gesamtarbeitsvertrag definiert einen Rahmen und Grundsätze für die Branche, das Personalreglement definiert die Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden auf Unternehmensebene und der individuelle Vertrag regelt besondere Situationen.

Auf der Ebene des Gesamtarbeitsvertrags, oder in unserem Fall der VAB, können verschiedene Punkte geregelt werden, ohne in die Prärogative der Unternehmen einzugreifen. Dazu gehören zum Beispiel:

– Das Recht auf Verzicht von Homeoffice

– Festlegung von Grenzen zur zeitlichen Erreichbarkeit

– Der Schutz der Privatsphäre

– Datenschutz (seitens Unternehmen wie auch seitens Mitarbeitende)

– Übernahme von Kosten/Spesen: Unterscheidung zwischen Homeoffice auf freiwilliger Basis oder im Auftrag des Arbeitgebers.

Was sind die nächsten Schritte?

Die meisten Banken haben noch keine Regelungen für Homeoffice eingeführt. Sie prüfen die Situation im Lichte der bisher gemachten Erfahrungen und ziehen die Konsequenzen für die Zukunft.

Die Sozialpartner wiederum haben beschlossen, die Situation auch 2021 weiterhin gemeinsam zu prüfen, um eine gemeinsame Informationsbasis zu haben.

Der SBPV verfolgt dieses Dossier weiterhin aufmerksam, um seine Strategie festzulegen. Entwicklungen in anderen Wirtschaftsbereichen, Informationen unserer Mitglieder und die Bedürfnisse der Bankangestellten sowie der Austausch mit den Arbeitgebern werden die Grundlage für weitere Überlegungen sein und uns ermöglichen, konstruktive Vorschläge im Rahmen der Sozialpartnerschaft zu entwickeln.