VAB-Verhandlungen: Es ist die Umsetzung, die den richtigen Gesamtarbeitsvertrag ausmacht

Die Vertragsverhandlungen zur Erneuerung der Vereinbarung über die Anstellungsbedingungen der Bankangestellten (VAB) wurden erfolgreich abgeschlossen. Die neue VAB wird 2020 in Kraft treten. Die wichtigsten Neuerungen tragen den Bedenken des SBPV hinsichtlich der Erhaltung der Arbeitsmarktfähigkeit im digitalen Finanzsektor und des Schutzes älterer Arbeitnehmenden Rechnung. Auch der beste Vertrag ist jedoch wertlos, wenn er nicht eingehalten wird. Dazu muss dieser zunächst bekannt sein und dann kontrolliert werden. Es liegt an Ihnen, den Mitarbeitenden, sicherzustellen, dass die VAB in Ihrer Bank angewendet wird. Auf Anfrage interveniert der SBPV beim Arbeitgeber oder klärt mit den Sozialpartnern Fragen im Zusammenhang mit der Auslegung der Artikel der VAB.

In der Folge sind kurz die wichtigsten Neuheiten der VAB 2020 aufgeführt. Auf Wunsch senden wir die Vereinbarung an unsere Mitglieder. Ab Oktober wird diese auch auf unserer Website zum Download zur Verfügung stehen. 

Die Änderungen sind grösstenteils offen definiert, so dass die Parteien einen gewissen Interpretationsspielraum haben. Daher ist es besonders wichtig, eine Praxis zu definieren, auf die sich die Mitarbeitenden beziehen können. Der SBPV wird diese nächsten Punkte thematisieren, indem er konkret die Anwendung der neuen Regeln vorschlägt.

Erhaltung der Arbeitsmarktfähigkeit

1.     Regelmässige Bewertungen zur Beurteilung der eigenen Arbeitsmarktfähigkeit und der beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten sowie zur Überprüfung der zu ergreifenden Massnahmen in Bezug auf Kompetenzen und Ausbildung. Diese Bewertungen werden nicht vorgeschrieben und nur den Mitarbeitenden angeboten, die dies wünschen.

2.     Ausweitung der Verpflichtung des Arbeitgebers, einen anderen Einsatz für Arbeitnehmende zu suchen, die von einer Reorganisation der Arbeit im Rahmen der Digitalisierung betroffen sind. In der VAB von 2016 betraf diese Pflicht nur die medizinischen Folgen der Einführung neuer Technologien.

Schutz älterer Arbeitnehmenden

1.     Anerkennung des Wissens und der Erfahrung älterer Mitarbeitenden in der Personalplanung. Die Banken bieten ihnen im Rahmen von Karrieregesprächen mögliche neue Aufgaben an.

2.     Im Falle einer Kündigung wird ein Verfahren unter Berücksichtigung der höheren Unterstützungspflicht der Banken für ältere Arbeitnehmende in drei Schritten eingeleitet:

– schnelle und zeitnahe Information,

– das Recht, angehört zu werden,

– nach einer anderen Verwendung suchen

Ausweitung der Kompetenzen der paritätischen Kommission:

1.      Eine Arbeitsgruppe wird beauftragt, die Auswirkungen der vom Arbeitgeber gewünschten Veränderungen des Arbeitsplatzes auf die Familienzulage der Banken zu untersuchen.

2.      Einsetzung einer ständigen Kommission zur Beobachtung der Entwicklungen in der Arbeitswelt hinsichtlich Arbeitsmarktfähigkeit und älterer Arbeitnehmenden.

Im Rahmen der Vertragsverhandlungen wurde zudem ein konkretes Projekt zur Sensibilisierung und Selbstevaluation der Grundkompetenzen beschlossen, um die Bereitschaft der Sozialpartner, die Arbeitsmarktfähigkeit der Bankmitarbeitenden zu erhalten, in die Praxis umzusetzen.

Die Digitalisierung erschüttert auch die Arbeitswelt in den Banken und stellt neue Anforderungen an die Mitarbeitenden. Es liegt im Interesse des Finanzplatzes und der Mitarbeitenden, die heute und in Zukunft benötigten (neuen) Kompetenzen zu identifizieren und den Mitarbeitenden ein Instrument zur Verfügung zu stellen, mit dem sie eine anonyme Bewertung durchführen können. Zu diesem Zweck wurde unter der Leitung von John Erpenbeck, einem führenden deutschen Wissenschaftler auf dem Gebiet der Kompetenzbilanzierung und -entwicklung, ein Fragebogen entwickelt, der es den Nutzern ermöglicht, ihre Grundfertigkeiten, die sie für ihre derzeitige und zukünftige Arbeitsmarktfähigkeit benötigen, anonym zu bewerten. Die Kampagne wird im Frühherbst gestartet. Der SBPV beteiligt sich aktiv an dieser Kampagne zusammen mit den anderen Sozialpartnern, dem Kaufmännischen Verband und Arbeitgeber Banken, die von der Nützlichkeit dieses Instruments ebenfalls überzeugt sind, da es allen Bankangestellten ermöglicht, Bilanz zu ziehen und gegebenenfalls Massnahmen zur Sicherung ihrer beruflichen Zukunft zu ergreifen.