Ein weiterer (kleiner) Schritt zur Lohngleichheit

Seit dem 1. Juli 2020 ist die Änderung des Gleichstellungsgesetzes in Kraft, die Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitenden verpflichtet, vor Ende Juni 2021 eine erste Analyse der Lohngleichheit durchzuführen. Diese Analyse muss von einer unabhängigen Stelle überprüft werden und das Ergebnis den Mitarbeitenden mitgeteilt werden. Was sind die Auswirkungen für die Arbeitnehmenden und welche Pflichten haben die Arbeitgeber?

Die Gelegenheit ergreifen

Viele Banken führen regelmässig Lohnanalysen durch. Das neue Gesetz schreibt vor, dass sie entweder von Wirtschaftsprüfungsinstituten oder von einer Organisation zum Schutz der Arbeitnehmerinteressen geprüft werden müssen. Es ist offensichtlich, dass der SBPV ein Interesse daran hat, in diesen Prozess einbezogen zu werden. Aus Erfahrung wissen wir jedoch, dass die Banken der Vertraulichkeit von Lohndaten grosse Bedeutung beimessen und wahrscheinlich nicht bereit sind, die für die Kontrolle ihrer Lohnanalyse notwendigen Dokumente an den SBPV oder eine andere Arbeitnehmerorganisation weiterzugeben. Aus diesem Grund hat der SBPV ein Projekt mit Arbeitgeber Banken entwickelt, das die Koordinierung der Überwachung der Lohnanalysen durch die Ausbildung der Überwacher und die Definition des Überwachungsprozesses vorsieht. Das Projekt sieht zudem einen halbjährlichen Bericht über die Situation der Lohngleichheit vor, der von einem beauftragten Institut erstellt wird. Die Verfasser und unterzeichnenden Verbände der VAB (Vereinbarung über die Anstellungsbedingungen der Bankangestellten) legen das koordinierende Institut fest und übertragen diesem das Mandat. Die Sozialpartner der Finanzbranche werden also sicherlich keine direkte Sichtbarkeit der Lohnanalysen haben, aber sie werden den reibungslosen Ablauf des Überwachungsprozesses sicherstellen und alle zwei Jahre einen Bericht über die durchgeführten Kontrollen erhalten.

Ein sehr langsamer Marsch zu mehr Gleichheit

Das neue Gesetz ist nicht sehr restriktiv, zumal es im Falle eines Verstosses keine Sanktionen vorsieht. Da die Arbeitgeber zudem die Wahl haben, ob sie ihre Lohnanalysen von den Sozialpartnern oder von Revisoren überwachen lassen wollen, besteht die Gefahr, dass der Ausschluss von Organisationen, die seit Jahren für die Verwirklichung der Lohngleichheit kämpfen, die Wirkung des Gesetzes weiter abschwächt. Das gemeinsam mit Arbeitgeber Banken entwickelte Projekt bietet eine für alle Beteiligten willkommene Alternative – eine Kontrolle der Analyse durch einen Personalverband wie den SBPV. Andernfalls bedeutet es den Ausschluss der Sozialpartner zugunsten von Revisoren, die für das Thema Gleichstellung nicht sensibilisiert sind. So oder so handelt es sich um ein konkretes und willkommenes Zeichen von Arbeitgeber Banken zugunsten der Lohngleichheit.

In 12 Jahren zur Lohngleichheit oder zu einem verbindlichen Gesetz

Erklärtes Ziel des Gesetzes ist es, Arbeitgeber für Gleichstellungsfragen zu sensibilisieren. Es gibt ihnen die Chance, sich selbst zu regulieren. Das Gesetz ist für einen begrenzten Zeitraum von 12 Jahren gültig. Dies ist die Zeit, die den Arbeitgebern eingeräumt wird, um zu zeigen, dass ein verbindliches Gesetz nicht notwendig ist, damit endlich eine Politik der Lohngleichheit in die Praxis umgesetzt wird, die den Anforderungen der Verfassung entspricht. Für Frauenverbände und Gewerkschaften sind 12 Jahre eine lange Zeit. Deshalb ist es wichtig, dass es sich nicht um verschwendete Zeit handelt, son-dern eine dynamische Übergangszeit zu der seit Jahrzehnten geforderten und seit mehr als 30 Jahren in der Bundesverfassung verankerten Lohngleichheit. Unser Projekt trägt dazu bei, sofern die Banken mitspielen.

Nicht ohne uns!

Auch wenn das Gesetz den Arbeitnehmenden nur sehr wenig Raum lässt, indem es ihnen nur das Recht einräumt, informiert zu werden, bedeutet dies nicht, dass wir aufgeben sollten. Wenn Sie Zweifel an der Lohngleichheit haben, sprechen Sie mit Ihren Arbeitskolleginnen und -kollegen, stellen Sie Ihrem Arbeitgeber Fragen und wenden Sie sich an den SBPV. Sie können die Bewegung in Richtung Gleichberechtigung beschleunigen, indem Sie die Augen nicht vor dem Verdacht der Ungerechtigkeit gegen Sie oder Ihre KollegInnen verschliessen. Der SBPV unterstützt Sie!