Welcher Platz in den Banken für die älteren Angestellten?

Ab wann ist man ältere/r Arbeitnehmende/r?
Die VAB spezifiziert das nicht. Um mehr dazu herauszufinden, müssen wir uns die verschiedenen bestehenden Praktiken ansehen. So war das Bundesgericht der Ansicht, dass aufgrund des Alters, das je nach Urteil zwischen 58 und 64 Jahren variiert, ein zusätzlicher Schutz erforderlich sei. Das BVG setzt 58 Jahre als Untergrenze für die Altersvorsorge fest. Der Sozialplan der UBS etwa bietet einen erhöhten Schutz für Personen ab 55 Jahren. Auf sozioökonomischer Ebene gelten Arbeitnehmende ab dem Alter von 50 Jahren (manchmal sogar früher) als auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt.

Wenn es in Art. 12 Abs. 1 der neuen VAB kein Bezugsalter gibt, das das Recht auf zusätzlichen Schutz am Arbeitsplatz verleiht, ist es wahrscheinlich, dass der Schutzumfang auch im Zusammenhang mit dem Dienstalter im Unternehmen definiert wird.

 Je mehr Dienstjahre man aufweist, desto mehr steigt die Schutzpflicht des Arbeitgebers. Auch das Bundesgericht hat diese beiden Elemente miteinander verknüpft und die neue VAB nimmt diese Interpretation aus Art. 12a Abs. 2 unter dem Aspekt des Kündigungsschutzes auf.

Schutz vor Abwertung
«Die Bank berücksichtigt bei der Personalplanung die Bedeutung des Wissens und der Erfahrung von älteren Mitarbeitenden. Sie bietet die Möglichkeit, im Rahmen von Entwicklungsgesprächen mit älteren Mitarbeitenden die geeigneten Einsatzmöglichkeiten zu besprechen.» (VAB, Art. 12a Abs. 1)

Dieses Recht auf ein Entwicklungsgespräch für ältere Arbeitnehmende darf kein toter Buchstabe bleiben. Mit zunehmendem Alter können einige Aufgaben schwieriger werden, sei es durch technologische, verfahrenstechnische oder andere Innovationen, Druck, Wettbewerbsgeist etc. Oder es besteht der Wunsch der Mitarbeitenden, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Es wird eine gewisse Offenheit der Verantwortlichen erwartet, damit Mitarbeitende ihre Karriere würdig beenden können. Oder Mitarbeitende möchten eine neue Herausforderung annehmen, eine noch unbekannte Domäne entdecken, sich durch eine Ausbildung auf den neuesten Stand bringen – auch das muss einige Jahre vor der offiziellen Pensionierung möglich sein.

Bei der systematischen Durchführung solcher Interviews werden ältere Mitarbeitende mit ihren Erfahrungen und Kenntnissen sichtbar und können im Rahmen der Restrukturierung andere Massnahmen als die Frühpensionierung angeboten werden.

Ratschlag

– Entwicklungsgespräche sollten regelmässig und insbesondere ab dem Alter von 50 Jahren angefordert werden.

– Entwicklungsgespräche müssen gut vorbereitet sein. Die Selbstevaluation «skillaware» und ein Orientierungsgespräch mit einem professionellen Berater bilden zum Beispiel eine gute Grundlage für die Vorbereitung. Der SBPV prüft auch den Nutzen eines Seminars zur Vorbereitung auf solche Interviews für seine Mitglieder.

Kündigungsschutz
Der Wortlaut der VAB spiegelt die Rechtsprechung der Gerichte wider. Bei beabsichtigten Kündigungen von älteren und langjährigen Mitarbeitenden ergreift die Bank besondere Massnahmen, die ihrer erhöhten Fürsorgepflicht gegenüber älteren Mitarbeitenden entsprechen:

– Rechtzeitige Vorinformation über die beabsichtigte Kündigung$

 Anhörung vor Aussprechen der Kündigung

– Prüfung alternativer Einsatzmöglichkeiten

Wenn diese Massnahmen nicht ergriffen wurden, könnte die Entlassung von älteren Arbeitnehmenden von den Gerichten als missbräuchlich angesehen werden. In diesem Fall bleibt die Kündigung gültig und die betroffenen Mitarbeitenden erhalten eine vom Richter festgesetzte Entschädigung, die maximal sechs Monatsgehälter beträgt.

Achtung: Im Falle von Massenentlassungen gibt es keine besonderen Schutzmassnahmen für ältere Mitarbeitende. Die im Rahmen solcher Verfahren ergriffenen Massnahmen – Konsultationsverfahren, Sozialplan – müssen die besondere Situation dieser Arbeitnehmergruppe berücksichtigen.

Ratschlag
Ab dem 55. Lebensjahr können sich Arbeitnehmende, die aus Leistungsgründen entlassen wurden und nicht in den Genuss der oben genannten Schutzmassnahmen kamen, fragen, ob ihre Entlassung missbräuchlich ist. Jede Situation muss nicht nur anhand des Alters und der Dienstzeit beurteilt werden, sondern auch anhand des Verfahrens, das der Arbeitgeber eingeführt hat, um rechtzeitig zu informieren, die Arbeitnehmenden anzuhören und nach Wegen zur Vermeidung von Entlassungen zu suchen. Im Zweifelsfall lohnt es sich, unsere Berater zeitnah, spätestens jedoch vor Ablauf der Kündigungsfrist zu kontaktieren. Diese Dienste sind unseren Mitgliedern und unter bestimmten Bedingungen Neumitgliedern vorbehalten.

Schlussfolgerung
Die neue Version der VAB trägt der schwierigeren Situation von älteren Arbeitnehmenden auf dem Arbeitsmarkt Rechnung. Das an sich ist bereits ein Fortschritt. Sie lässt den Banken einen weiten Interpretationsspielraum bei der Definition der betroffenen Personen und der zu treffenden Massnahmen und auch Personalausschüsse können die Verfahren beeinflussen. Um eine Best Practice zu definieren, ist es wichtig zu wissen, wie dies von den Banken angegangen wird. Auf diese Weise kann der SBPV zu mehr Transparenz und Entwicklung zugunsten der Mitarbeitenden beitragen, sofern er von ihnen informiert und aufgefordert wird.